Metropolregion

Weggefährten nehmen Abschied von Udo Scholz

Friedelsheim.“I did it my way” – der große Song von Frank Sinatra hallt am Dienstagmittag um kurz nach 12 Uhr über den idyllisch inmitten von Weinbergen gelegenen Friedhof der kleinen Gemeinde Friedelsheim bei Bad Dürkheim. Die Weggefährten der vergangenen Jahre sind fast alle gekommen. Die Spieler der Mannheimer Adler halten sich im Hintergrund. Hans-Peter Briegel, die “Walz aus de Palz”, hat sich auf den Weg gemacht. Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp, wird später die ergreifendsten Worte zum überraschenden Tod des schon zu Lebzeiten legendären Stadionsprechers und Wohltäters Udo Scholz finden. Der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) zählt zu den Trauergästen. Die Quadratestadt werde Scholz ein “ehrendes Andenken bewahren”. Scholz sei eine einzigartige Persönlichkeit gewesen, mit einer Stimme, die Kultcharakter habe, sagt Kurz später.

Friedelsheim – das war in den vergangenen Jahrzehnten die  Heimat von Udo Scholz.  Von hier aus fand die besondere Stimme des Rhetorik-Talents ihren Weg in die Metropolregion, wo er auf beiden Seiten des Rheins gleichermaßen zu begeistern wusste. Allzu oft vergessen wird dabei seine Zeit, die er auch beim Handball als Hallensprecher für die SG Leuterhausen verbrachte.

Es mögen etwa 300 Gäste sein, die sich unweit der von Scholz lange betriebenen Weinstube “Haardtblick” einfinden. Als zu Beginn der Beisetzung die Stimme von Heintje und dessen Ave-Maria-Version aus den Boxen tönt, mögen sich viele an die Zeit erinnert fühlen, über die Scholz oft so leidenschaftlich erzählte. Seine Anfänge in den 60er-Jahren, als die Bundesrepublik kulturell den Blick in die Nachbarländer wagt. Scholz war vergleichsweise nah dran an den Beatles und den Rattles, für die er als Promoter schwärmt.

Es ist am Dienstag fast auf den Tag genau drei Jahre her, dass er auf der Veranda seiner Weinstube sein Buch “Ein Leben am Mikrofon” vorstellte. Der 14-jährige Bahnhofssprecher von Lüdenscheid, dessen Organ später Arenen zum Brodeln bringen konnte, hatte ein weiches Herz. Das stellten alle heraus, die am Dienstag das Mikro ergriffen – allen voran Daniel Hopp. “Udo strahlte eine unglaubliche Wärme und Sympathie aus”, sagte Hopp vor der Familie von Udo Scholz, die die Beisetzung so organisiert hatte, wie er sie wohl selbst auch vorbereitet hätte. Udo Scholz hinterlasse eine Lücke, die nicht zu schließen sei, sagte Hopp. “Udo, Du bist Adler Mannheim, Ruhe in Frieden, mein Freund”, schloss er.

Tränen hatte zuvor schon der Friedelsheimer Bürgermeister Peter Fleischer am Mikrofon vergossen, als er von Scholz als einem Mann sprach, der die Dinge, die er im Gemeinderat vertreten habe,  spontan anpackte. Markus Merk, Weltschiedsrichter und Beiratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, würdigte Scholz als die “ewige Stimme des Betzenbergs”, den er schon im Alter von zwölf Jahren kennengelernt habe. Er sei ein Spielmacher am Mikrofon gewesen und dazu ein Herzensmensch.  Noch in den vergangenen Monaten habe ihn Scholz fast wöchentlich angerufen: “Junge, wie geht es Dir? Ihr packt das”, habe er dann immer zur schwierigen Situation des 1. FC Kaiserslautern gesagt.

Um kurz nach 13 Uhr wird die Asche von Udo Scholz in die Erde gelassen. Die Urne trägt das Symbol und die Farben der Mannheimer Adler.

 “Niemals geht man so ganz” – das ist das letzte Lied, das am Dienstag über den  Friedelsheimer Friedhof schallt…

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