Metropolregion

Zahlreiche Keller überschwemmt

Weit über 1000 Notrufe nach schwerem Unwetter in Mannheim

Archivartikel

Mannheim/Heidelberg/Rhein-Neckar.Überflutete Keller und Straßen, umgestürzte Bäume, zwei Verkehrsunfälle - das ist die Bilanz des nächtlichen Gewitters mit heftigen Windböen und Starkregen, das in der Nacht zum Freitag über die Region gezogen ist.

Nach Angaben der Stadtverwaltung gingen alleine in Mannheim "weit über 1000 Notrufe" insbesondere wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume ein. Schwerpunkte bildeten in Mannheim die Stadteile Käfertal, Wallstadt, Vogelstang, Feudenheim und Seckenheim. Im Rhein-Neckar-Kreis waren insbesondere die Gemeinden Ilvesheim und Ladenburg betroffen. Die Feuerwehren waren mit sämtlichen Kräften im Einsatz. Personen kamen nicht zu Schaden. Über die Höhe der entstandenen Schäden konnte die Polizei bislang noch keine Angaben machen.

Laut einer ersten vorläufigen Bilanz gab es im Stadtgebiet Mannheim rund 254 Einsätze, die bis in den Nachmittag die Retter beschäftigten. Im Stadtgebiet Heidelberg liefen laut Polizei sieben und im Rhein-Neckar-Kreis 150 Keller voll. Zu Straßenüberflutungen kam es in Mannheim in der Mosbacher Straße, Feudenheimer Straße und in der Suebenheimer Allee. Im Rhein-Neckar-Kreis war in Rauenberg die B3 betroffen. Umgestürzte Bäume mussten in Mannheim in der Mosbacher Straße, Odenwaldstraße, Braustraße, Banater Straße, auf der B44, im Ulmenweg und der Seckenheimer Landstraße beseitigt werden.

Bis in den Nachmittag waren im Mannheimer Stadtgebiet Kräfte der Berufsfeuerwehr sowie Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr unterwegs, um Schäden des Unwetters zu beseitigen. "Es kommen keine neuen Sachen dazu, aber es gibt eben Dinge, die erst entdeckt werden, nachdem es hell ist - viele Stellen mit herabgefallenen oder losen Ästen, vollgelaufene Keller", so der Führungsdienst der Mannheimer Berufsfeuerwehr auf Anfrage. 

Auch das Technische Hilfswerk (THW) wurde alarmiert. Der Notfallmanager der Bahn beorderte das THW zur Zufahrt zum Rangierbahnhof, die alle Mitarbeiter dort zum Schichtwechsel benutzen müssen. "Da stand das Wasser auf fast 70 Metern etwa kniehoch", so THW-Ortsbeauftragte Nicole Dudziak. Seche ehrenamtliche Helfer pumpten dann über dreieinhalb Stunden lang, bis die Zufahrt frei war

Wie die Stadt am Morgen mitteilte, öffnete das Carl-Benz-Bad aufgrund von Sturmschäden am Freitag erst um 13.30 Uhr. Die Öffnungszeiten der Stadtparks blieben unverändert. Aufgrund von Sturmschäden bleiben am Wochenende der Friedhof in Wallstadt sowie Teile des Käfertaler Friedhofs gesperrt. Das teilte die Stadt am Freitagnachmittag mit. Mitarbeiter würden an der Beseitigung der Schäden arbeiten. Am Montag können die Friedhöfe wieder wie gewohnt besucht werden, so die Stadt.

Im Rhein-Neckar-Kreis stürzten Bäume in Hirschberg, Heddesheim, Edingen-Neckarhausen, Meckesheim, Ladenburg, Dossenheim, und Sinsheim um. In Heidelberg fiel im Wingertspfad ein Baum auf ein Trafohäuschen. Aufgrund gehobener Gullydeckel kam es zu zwei Verkehrsunfällen mit geringem Sachschaden in Heidelberg im Kurpfalzring sowie in Gaiberg in der Hauptstraße. In Heidelberg bleibt der Steigerweg aufgrund eines Erdrutsches bis auf weiteres gesperrt. In Wiesloch erreichte der Leimbach einen Wasserstand von einem Meter.

Unwetterschäden auch in Rheinland-Pfalz und Hessen

Auch in Ludwigshafen liefen einige Keller mit Wasser voll. In Frankenthal, Bad Dürkheim und Neustadt an der Weinstraße hatten die Feuerwehren unzählige Einsätze, wie ein Sprecher sagte. Rund 250 Notrufe seien in der Nacht eingegangen. In Lambrecht fiel für rund eine Stunde der Strom aus. Verletzte gab es nach vorläufigen Informationen nicht.

Im Bereich der Polizeidirektion Landau waren die südlichen Gemeinden, insbesondere Birkenhörd, Dörrenbach, Herxheim und Annweiler betroffen. Auch hier meldeten eine Vielzahl von Anwohnern vollgelaufene Keller. In Annweiler waren auch ein Supermarkt und ein Museum betroffen. Aufgrund der vielen Anrufe, kam es zu einer Überlastung des Notrufs der Zentralen Leitstelle (112). Die Polizei konnte über den Notruf 110 die Leitstelle unterstützen und den Bürgerinnen und Bürgern helfen.

Zu einem Stromausfall kam es ebenfalls in Annweiler, hierdurch wurde im Staufertunnel eine Tunnelsperrung ausgelöst, was zu einer kurzzeitigen Behinderung des Verkehrs führte.

Rund um Karlsruhe kam es zu zahlreichen Überschwemmungen und Erdrutschen. Bis zu 80 Zentimeter hoch stand das Wasser in einigen Straßen in Kraichtal (Landkreis Karlsruhe). Der Strom fiel in manchen Orten über Stunden aus. In Sternenfels (Enzkreis) schlug der Blitz in ein Einfamilienhaus ein und verursachte einen Schaden im sechsstelligen Bereich. Die Feuerwehr im Landkreis Karlsruhe war mit über 300 Kräften im Einsatz.

Auch in Südhessen haben Unwetter wieder den Himmel verdunkelt. Die Schäden sind im Vergleich aber gering. Einige Straßen und Keller wurden überflutet. "Es gab aber nichts Außergewöhnliches", sagte ein Polizeisprecher. Bei Brensbach im Odenwald rutschte bereits am Donnerstagnachmittag infolge eines Gewitters ein kleiner Abhang auf die Straße. Die Breubergstraße im Ortsteil Höllerbach war für zirka eine Stunde für den Fahrzeugverkehr unpassierbar. Auf der Landesstraße 3105 zwischen Affolterbach und Aschbach prallte ein Autofahrer in der Nacht gegen einen umgestürzten Baum. Es entstand lediglich geringer Schaden. In Viernheim beschädigte ein umherfliegender Schirm in der Röntgenstraße zwei geparkte Fahrzeuge, in Lampertheim stand eine Wohnung unter Wasser und in Rüsselsheim wurde im Nordring ein etwa 30 Meter langer Bauzaun vom Sturm umgerissen.

Das Unwetter in der Nacht zum Freitag hat auch den Organisatoren des Rheinland-Pfalz-Tages in Worms zusätzliche Arbeit beschert. Im Sturm seien ein paar Zelte weggeflogen oder eingestürzt, sagte eine Sprecherin der Stadt am Vormittag. Zudem habe der heftige Regen seine Spuren hinterlassen. "Wir haben momentan noch das Problem, dass ein paar Flächen noch unter Wasser stehen." Betroffen sei der Festplatz, wo sich unter anderem Polizei und Bundeswehr präsentieren. Aber auch eine Parkgarage am Veranstaltungszentrum "Das Wormser" und eine Park & Ride-Fläche. Bei letzterer müsse man noch schauen, ob umdisponiert werden müsse.

Nach Angaben eines Polizeisprechers hielten sich die Probleme in Worms insgesamt jedoch in Grenzen. Ein Tunnel im Stadtgebiet sei vollgelaufen und habe abgesperrt werden müssen. Zudem sei auf der Bundesstraße 9 ein Baum auf einen Lkw gefallen. Größere Sachschäden oder Verletzte habe es nicht gegeben.

Nach Angaben der Bahn kam es aufgrund des Unwetters zu keinen größeren Störungen oder Streckensperrungen in Baden-Württemberg. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, kann es am Freitag erneut zu Schauern und einzelnen Gewittern kommen. Eine Unwettergefahr besteht aber voraussichtlich nicht mehr.