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Weltmeister im Weihnachtsbaumwerfen gekürt

Archivartikel

Weidenthal.Es sieht so einfach aus. "Und doch machen Ungeübte beim Werfen eines Weihnachtsbaums immer wieder Fehler", sagt Christopher Milloth. "Anfängern fehlt meist das Timing, wann man den Baum loslässt." Milloth muss es wissen: Der 29-Jährige wurde im vergangenen Jahr Weltmeister im Weihnachtsbaumwerfen. An diesem nasskalten Januarsonntag steht er auf dem Sportplatz der pfälzischen Gemeinde Weidenthal, um den Titel zu verteidigen. Sein Erfolgsrezept: Kakao mit Alkohol. "Erlaubtes Doping", sagt Milloth schmunzelnd.

Sein schärfster Konkurrent steht ganz in der Nähe. Frank Schwender, Verkaufsleiter aus dem Nachbarort Frankeneck, gilt als ein Star der Szene. "Jeder muss seine eigene Technik finden", sagt der 56-Jährige. "Wenn der Baum falsch geworfen wird, bläht er sich auf und fällt schnell." Schwender ist fünffacher Turniersieger und hält mit 25,01 Metern den - freilich inoffiziellen - Weltrekord. Sein Geheimtrunk? "Drei Glühwein, dann ist der Körper bereit", sagt er.

Zum 14. Mal trägt der örtliche Fußballclub Wacker das Turnier aus. Im vergangenen Jahr nahmen 55 Männer und 30 Frauen teil. Am Sonntag meldeten sich 92 Männer, 40 Frauen und 35 Kinder an. Hunderte Zuschauer wollen in dem Ort mit rund 2000 Einwohnern im Kreis Bad Dürkheim sehen, wie Männer und Frauen trotz Kälte und Feuchtigkeit Fichten über den Sportplatz schleudern - bei der "Weltmeisterschaft" im Weihnachtsbaumwerfen. Im Hintergrund dröhnt Blasmusik.

Obwohl das Nadelgewächs längst auch anderswo in Deutschland über Plätze gepfeffert wird, gilt Weidenthal als Klassiker. Hier messen sich die Kontrahenten in drei Kategorien: Die Teilnehmer müssen eine etwa 1,50 Meter große Fichte wie einen Speer werfen, wie einen Hammer in der Leichtathletik schleudern und über eine Hochsprung-Latte bugsieren. Die Höhe bestimmen sie selbst. Die Einzelwerte werden addiert - wer auf den größten Gesamtwert kommt, gewinnt.

An diesem Sonntag ist Frank Schwender der Stärkste. Mit 23,17 Metern gewinnt er vor Clemens Hötger aus Kaiserslautern (22,49 Meter). Titelverteidiger Christopher Milloth wird Neunter (21,43 Meter). Bei den Damen setzt sich Titelverteidigerin Margret Klein-Raber (17,47 Meter) aus Siersburg (Saarland) gegen Annika Lange aus Kaiserslautern (16,18 Meter) durch. Mit einer "bunt gemischten Gruppe" nehme sie schon seit etwa zehn Jahren an solchen Wettbewerben teil, erzählt Klein-Raber. "Am Ende spielt der Spaßfaktor eine große Rolle - und das schöne Fest." Die Sieger erhalten Elchfiguren aus Holz.

Die Christbäume wurden eigens für den Wettstreit aus dem Wald geholt. "Sie stammen aus dem Gemeindewald und werden kurz vor der WM geschlagen", erzählt Organisator Herbert Laubscher. "Echte gebrauchte Weihnachtsbäume können wir nicht verwenden, da sie ausgetrocknet sind, ihre Nadeln schnell verlieren und auch die Zweige leichter brechen würden."

Die Idee hatten Laubscher zufolge ehemalige Fußballer von Wacker, inspiriert von der Aktion einer bekannten schwedischen Möbelkette. Diese lädt seit Jahren zum Weihnachtsbaumwerfen ein - und nennt das Knutfest. Der "Tjugondag Knut" ist in Schweden, Norwegen und Finnland der letzte Tag der Weihnachtszeit - und ein Feiertag. Man habe das "Weidenthaler Knutfest" zum Dreikampf ausgebaut, sagt Laubscher.

Um dem Klamauk mehr Gewicht zu verleihen, wurde er zur Weltmeisterschaft erklärt. Und wie ist das mit der Vorbereitung? "Zum Trainieren komme ich nicht, da ich voll involviert bin in die Organisation des Festes", sagt Milloth. Leider müsse bei ihm der Wettbewerb ohne Vorbereitung klappen. Auch sein Rivale Schwender bezweifelt, dass die Teilnehmer trainieren. "Man kann ja schlecht den Christbaum zur Übung durchs Wohnzimmer werfen", sagt er und packt eine Fichte mit geübtem Griff am Stamm.

Auch diesmal wird in Weidenthal viel gelacht und geflachst. Aber das Turnier ist mit den Jahren ernster geworden. "Dass sich unter den ersten Fünf ein gewisser Wettbewerb entwickelt im Laufe des Wettkampfes, liegt in der Sache der Natur", sagt Milloth. Die meisten Teilnehmer seien aber nicht verbissen. Spätestens am Abend, wenn ausgediente Weihnachtsbäume auf einem großen Haufen verbrannt werden, scheint jede Rivalität vergessen. Zumindest für ein Jahr.

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