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Justiz Vor dem Frankenthaler Landgericht hat der Indizienprozess um ein verabredetes Verbrechen begonnen / Angeklagte von SEK in Ludwigshafen festgenommen

Wer plante Überfall auf hessischen Autovermieter?

Frankenthal.Die Anklageschrift liest sich wie ein Kriminalroman: Ein verabredeter Überfall mit halbautomatischen Waffen, ein in Österreich übernommenes Tatfahrzeug aus der Slowakei, das ahnungslose Opfer und zwei Täter, die sich vor dem Coup nicht gekannt haben. Oder doch? Beim Prozessauftakt um ein verabredetes Verbrechen sind am Montag vor dem Landgericht Frankenthal viele Fragen offengeblieben.

Ausgangspunkt des Verfahrens ist ein Einsatz des Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei, das am 20. Januar eine Wohnung in der Carl-Klemm-Straße in Ludwigshafen-Friesenheim stürmte. Die „unklare Bedrohungslage“ hatte damals für großes Aufsehen gesorgt. Festgenommen wurden dabei zwei 41 und 43 Jahre alte Männer aus Bosnien und Herzegowina, die sich nun vor der Dritten Strafkammer verantworten müssen. Der Tipp – der schließlich zur Festnahme der beiden Männer geführt hatte – war von der kroatischen Polizei gekommen, wie der Anklagevertreter am Rande des Verfahrens berichtet. Vor Gericht machen die beiden Männer keinerlei Angaben zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft geht indes davon aus, dass die Angeklagten den Chef einer Autovermietung im hessischen Weiterstadt überfallen und ausrauben wollten. Zur Vorbereitung sollen sie in Wien ein in der Slowakei angemietetes Fahrzeug entgegengenommen haben und damit in die Bundesrepublik eingereist sein.

Anschließend sollen sie sich in Wendlingen (Kreis Esslingen) zwei halbautomatische Schusswaffen besorgt und diese samt 29 Schuss Munition in einem Hohlraum des Mietwagens unter dem Fahrersitz griffbereit versteckt haben. In Ludwigshafen hatten die beiden laut Anklage fünf Tage vor dem geplanten Raub eine Wohnung gemietet.

Ob sich die mutmaßlichen Täter vorher kannten, bleibt vorerst ebenso unklar wie die Frage nach möglichen Hintermännern, die den Raubüberfall geplant haben könnten.

Wirt und Bäcker

Fragen zu ihren persönlichen Verhältnissen beantworten Faik D. – der als Haupttäter gilt – und Zlatan S. aber. Dabei zeigt sich, dass der 43-jährige D. in Sarajewo lebt und im Sommer in der Gastronomie arbeitet, während S. (41) in Tuzla eine Bäckerei betreibt. Beide geben an, in einem eigenen Haus zu leben und ein geregeltes Einkommen zu haben. So will der Wirt pro Saison etwa 100 000 Euro verdienen. Eigentlich sei er Schweißer und habe in diesem Beruf jahrelang in Schweden gearbeitet.

Um die Hintergründe aufzuklären, ist die Kammer nun auf Zeugen angewiesen. Die allerdings auch nicht gerade auskunftsfreudig sind. So berufen sich die Männer aus Wendlingen – von denen die Waffen stammen sollen – auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Da die Staatsanwaltschaft Stuttgart derzeit in dieser Sache gegen sie ermittelt, wollen sie in Frankenthal nicht in den Zeugenstand, da sie sich dadurch möglicherweise selbst belasten würden.

Spannend wird es wohl erst am 26. Oktober, dem letzten Verhandlungstag, wenn ein Ermittler der kroatischen Polizei aussagen soll, die die Ermittlungen und den SEK-Einsatz ins Rollen gebracht hat.

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