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Natur Wegen der anhaltenden Hitze versuchen die Insekten, ihre Brut zu kühlen / Hektisches Schwirren fällt auf

Wespen fliegen auf Wasser

Rhein-Neckar.Kaltes Wasser plätschert aus der Gartendusche auf die Holzbohlen, wo sich rasch kleine Pfützen bilden. Sekunden später surren, wie aus dem Nichts, massenhaft Wespen um die Erfrischungsstation neben der Terrasse. Paul und Tina machen sich nichts draus, der Fünfjährige und seine Mama drehen das Wasser ab und ziehen sich zurück. „Die haben doch nur Durst, die wollen uns nicht stechen“, sagt Paul.

Ganz so entspannt gehen derzeit nicht viele Menschen mit den schwarz-gelben Hautflüglern um, von denen es dieses Jahr viel mehr zu geben scheint als gewöhnlich. „Das stimmt nicht ganz. Die Wespen haben nur sehr von Wärme und Trockenheit profitiert und die Völker haben sich gut entwickelt“, sagt der Ludwigshafener Naturschutz-Experte Klaus Eisele. „Der Winter war kalt und seit April haben wir eine durchgängige Wärmeperiode mit ansteigenden Temperaturen.“

So seien die Völker groß und stark geworden. Allerdings mache den Insekten die anhaltende Hitze dahingehend zu schaffen, dass sie ihre Brut kühlen müssen und dafür massenhaft Wasser heranschaffen. „Die Kühlung funktioniert über Verdunstungskälte, deshalb fliegen die Wespen derzeit auf Wasser“, erklärt Eisele, warum die bienenähnlichen Flieger mit der schmalen Taille so aktiv sind.

„Generell ist die Zwetschgenkuchenzeit immer Wespenzeit, denn von August bis Oktober – wenn die Königin langsam schwächer wird – sind die Arbeiterinnen vermehrt unterwegs“, erklärt Eisele. Obwohl es lästig sein kann, wenn die Flieger um den Esstisch im Freien schwirren, sind sie doch kein Grund zur Panik. „Man sollte die Wespen möglichst nicht anlocken, indem man Süßigkeiten draußen bereitstellt oder offene Limo-Flaschen herumstehen lässt. Komposthaufen hebt man am besten so um, dass das Obst ganz unten liegt und nicht oben präsentiert wird“, empfiehlt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Mülleimer sollte man immer abdecken, so dass nicht erst eine Futterstelle entsteht. Eisele rät, Kindern immer Mund und Finger gut abzuwischen, damit süße Essensreste keine Wespen anlocken.

Zucker und Eiweiß gefragt

Davon, die Tiere am Tisch „mitessen“ zu lassen und ihnen ein Stück Salami oder etwas Marmelade hinzustellen, hält der Ludwigshafener nichts: „Wespen sind Geruchstiere. Wenn sie gute Nahrung finden, dann setzen sie eine Duftmarke und im Handumdrehen kommt auch die Verwandtschaft dritten Grades am neuen Schnellrestaurant vorbei.“ Normalerweise gingen die Hautflügler auf Insektenjagd, um tierisches Eiweiß oder Zucker für die Brut heranzuschaffen, doch an einem mit Salami gefüllten Teller oder einer Limoflasche flögen sie natürlich auch nicht vorbei. „Aber keine Angst, wir gehören nicht zum Beutespektrum der Wespen, da nehmen wir uns einfach zu wichtig“, scherzt Eisele. Wer sich nicht mit den Tieren arrangieren kann und ein Wespennest im Garten entfernen lassen will, kann das allerdings nicht einfach so tun: „Wie alle wildlebenden Tiere unterliegen Wespen dem allgemeinen Artenschutz“, sagt von Orlow. Rat und Hilfe bieten, von den Unteren Naturschutzbehörden bestellte, Berater wie Rolf Zuber (Reilingen), der für die Stadt Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis zuständig ist. „Es ist schon ein sehr arbeitsreicher Sommer“, sagt Zuber, der gerade auf dem Weg zu einem Einsatz ist. Er rät, ein Nest auf keinen Fall selbst zu entfernen. „Das kann gefährlich werden.“

„Nicht anpusten“

Klaus Eisele setzt die Wespen-Heime meistens um oder ändert die Flugbahn der Tiere. „Die drehen ja keine Kerosinschleifen über dem Pfälzerwald, sondern surren direkt ins Nest, liegt das ungeschickt, kann man die Tiere mit einem Vorhang oder einer Plane zu einem Umweg bewegen, der den Bewohnern des Hauses Stress erspart“, erklärt er.

Wer selbst Hand anlegt und einmal gestochen wird, müsse übrigens mit weiteren Angriffen rechnen: „Durch den Stich markiert die Wespe den Störenfried mit einem Schutzpheromon, das auch ihre Kolleginnen zum Stechen motiviert.“

Paul und Tina müssen Attacken nicht fürchten. „Wer sich besonnen verhält, wird nicht attackiert. Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen“, betont Eisele. Deshalb solle man sie auch nicht anpusten, denn das im Atem enthaltene Kohlendioxid gelte im Wespennest als Alarmsignal.