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Experiment Am Sonntag wird am Weincampus Neustadt im Dienste der Wissenschaft getrunken / Erster Rebensaft mit kosmischer Hefe

Wie schmeckt eigentlich Weltall-Wein?

Archivartikel

Neustadt/Weinstraße.Einen solchen Wein gab es noch nie. Er ist mit Hefe gemacht, die einen Raketenflug ins All hinter sich hat – inklusive Beschleunigung, Strahlung und sechsminütiger Schwerelosigkeit. Noch reift der edle Tropfen im Labor des Weincampus Neustadt heran, aber am Sonntag können Besucher ihn beim Tag der offenen Tür verkosten, natürlich im Dienste der Wissenschaft. Ein Team um die Mikrobiologin Friederike Rex will herausfinden, ob der mit „All-Hefe“ gemachte Wein anders schmeckt als gleicher Wein, der mit am Boden gebliebener Hefe hergestellt wurde.

Den Wissenschaftlern geht es aber genau genommen gar nicht um den Rebensaft. Sie wollen vielmehr klären, ob die „All-Hefe“ trotz der äußeren Einflüsse bei der Reise das Vitamin B12 produzieren kann, so wie auf der Erde. Der menschliche Körper kann das wichtige Vitamin nicht herstellen, er muss es mit der Nahrung aufnehmen. Wenn Hefe auch im All B12 produzieren könnte, dann kann sie bei langen Weltraummissionen helfen, B12-Engpässe zu vermeiden. Hier kommen die Weincampus-Besucher ins Spiel. Sie sollen bei einer „Blindverkostung“ von „All-Wein“ und dem irdischen Brudertropfen herausfinden, ob es Unterschiede im Geschmack gibt.

Zwar könne man nicht direkt am Geschmack erkennen, ob die All-Hefe das Vitamin produzieren könne, so Rex. Aber der Geschmackstest sei „die schnellste und günstigste Variante“, um Unterschiede zu entdecken. „Wenn wir vom Geschmack her einen Unterschied finden zwischen dem „Weltall-Wein“ und dem auf der Erde verbliebenen, dann ist das ein Hinweis, dass wir in die Tiefe gehen sollen“, erklärt sie. Denn dann könnte es sein, dass der Hefepilz bei der Reise in rund 260 Kilometer Höhe gelitten hat. Gebe es hingegen keinen Unterschied, dann funktioniere der Stoffwechsel der Hefe so wie er solle.

Erste Erkenntnisse haben die Mikrobiologin nach eigenen Angaben positiv gestimmt. Die Hefe hat den Flug überlebt und wächst so, wie sie wachsen soll. Außerdem haben die Kollegen vom BierProjekt Landau, das ebenso wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an dem Projekt beteiligt ist, mit der „All-Hefe“ bereits Bier gebraut, das auch am Sonntag verkostet werden kann. „Das Bier hat gut geschmeckt“, sagt Rex. Man habe es „möglichst schlicht gebraut“, so dass es nicht zu hopfig oder überfrachtet sei und man mögliche Unterschiede erkennen könne. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, so die Mikrobiologin, die zwar nicht mehr verraten will, sich aber auf eine „gute Verkostung“ freut. Nach ihrer Einschätzung wurde bei dem Versuch im Juni erstmals absichtlich Hefe zu Forschungszwecken ins All geschossen.

Und warum wird nicht gleich im Labor geklärt, was die All-Hefe noch kann? „Wir könnten auch eine molekularbiologische Diagnostik machen, aber man macht zuerst, was günstig ist“, sagt Rex. Und auf die Frage, ob sechs Minuten Schwerelosigkeit für eine fundierte Aussage über die B12-Fähigkeit der Hefe ausreichten, sagt sie, zumindest habe man als erstes Ergebnis gesehen, dass sie dies überlebt habe. „Alle Materialien, die ins All gehen, machen erst einmal einen kleinen Schritt, eine erste Etappe.“

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