Metropolregion

Umwelt Verband Rhein-Neckar hat Potenzial umweltfreundlicher Technologie untersuchen lassen

Wie Wasserstoff die Region antreiben kann

Mannheim.Die Metropolregion Rhein-Neckar will mit EU-Hilfe im großen Stil auf die umweltfreundliche Wasserstoff-Technologie setzen – und sieht sich dabei von einer Studie bestätigt. Bis zu 17 000 Straßenfahrzeuge und bis zu 150 bislang mit Diesel fahrende Personenzüge könnten im Jahr 2030 in der Region mit Wasserstoff beziehungsweise Wasserstoff und Brennstoffzelle betrieben werden, heißt es in der gestern in Mannheim vorgestellten Untersuchung, die die Metropolregion bei den Firmen Thinkstep und Prognos in Auftrag gegeben hatte. Die Autoren halten es für denkbar, dass die Wasserstoffpläne in der Region bis 2030 zusätzliche Investitionen von bis zu 1,1 Milliarden Euro und bis zu 1100 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen, vor allem im Fahrzeugbau.

Nach ihren Angaben fuhren Anfang 2018 bundesweit 603 Fahrzeuge mit Wasserstoff, dessen Speicherung und Kühlung derzeit manchem noch als aufwändig gilt. „Wir haben erkannt, dass Wasserstoff für die Region ein Wachstumsfeld sein kann“ , sagte der Leiter des Bereichs Energie und Umwelt bei der Metropolregion, Bernd Kappenstein. Er werde als „der Energieträger der Zukunft“ bezeichnet. Die Metropolregion nimmt deshalb mit Partnern am Regionen-Wettbewerb um EU-Fördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro aus dem Programm „H2 Valley“ teil. Aufgabe: Vor allem in den Bereichen Transport, Industrie und Wärme-/Stromerzeugung sollen Wasserstoff-Anwendungen mit einem Gesamtvolumen von mindestens 80 Millionen Euro präsentiert werden.

Drei Viertel des Wasserstoffs sollen aus erneuerbaren Energien stammen, am Schluss sollen es 100 Prozent sein. Im August soll der Gewinner des Wettbewerbs feststehen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gute Chancen haben“ sagte Kappenstein. Der Antrag der Metropolregion mit dem Titel „H2Rivers“ hat seinen Angaben zufolge ein Volumen von „weit mehr als hundert Millionen Euro“. Dahinter steht ein Konsortium mit 23 Partnern aus der Region sowie aus der Region Mittlerer Neckar (Esslingen/Stuttgart/Waiblingen), darunter Kommunen und große Unternehmen. Hauptziel sei ein „Wasserstoff-Ökosystem“ mit innovativen Technologien in beiden Regionen, bei dem es vor allem um die Verbindung von Verkehr und Industrie gehe. Zudem soll ein Plan erarbeitet werden, demzufolge 2050 ein Großteil des Energiebedarfs über Wasserstoff gedeckt wird.

Zehn Tankstellen geplant

Der Antrag sieht zunächst aber vor, dass täglich mindestens sechs Tonnen Wasserstoff in der Region produziert und verbraucht werden. Als Beispiel nannte Kappenstein eine Verwendung im Verkehr. Wasserstoff eigne sich vor allem für den Schwerlastverkehr, für Busse, Schiffe und Züge, „überall da, wo längere Strecken zurückzulegen sind, wo auch viel Energie verbraucht wird“. So sehe der Antrag Busflotten vor, aber auch Abfallsammelfahrzeuge. Zudem sei ein Netz von zehn Wasserstoff-Tankstellen geplant. Elektro- und batteriebetriebene Fahrzeuge gehörten aber nicht der Vergangenheit an, sie eigneten sich für kürzere Strecken.

Im Industriebereich sollen neue Entwicklungs- und Testzentren bei der Entwicklung neuer Produkte und der Umstellung auf umweltfreundliche Prozesse helfen, zudem soll Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, in Gasturbinen eingesetzt, ins Erdgasnetz eingespeist und bei der dezentralen Strom- und Wärmeversorgung von Einfamilienhäusern und Quartieren genutzt werden. Mit den Wasserstoff-Fahrzeugen und -Zügen sollen laut Studie 2030 bis zu 156 000 Tonnen CO2 im Jahr gespart werden, was der Jahresemission von etwa 54 000 Autos entspreche. Ausschreibungen für emissionsfreie Züge gebe es bereits, etwa für das Pfalznetz. Derzeit sind 1,5 Millionen Kraftfahrzeuge in der Metropolregion gemeldet.