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Naturschutz Nabu-Mitarbeiterin Katrin Fritzsch spricht über ihr Projekt „Lebensader Oberrhein“ / Ziel war die Wiederansiedlung seltener Pflanzen- und Tierarten

„Ziegenmelker und Heidelerche sind wieder da“

Archivartikel

Walldorf.Der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg hat am Donnerstagabend in Walldorf den Abschluss des Projekts „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ gefeiert. In knapp sechs Jahren entstanden am Oberrhein von Mannheim bis Iffezheim für viele Tier- und Pflanzenarten neue Lebensräume. Im Gespräch mit dieser Zeitung zieht Projektleiterin Katrin Fritzsch Bilanz.

Das Nabu-Projekt „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ läuft aus, erinnern Sie sich noch wie diese Naturschutzmaßnahme begann?

Katrin Fritzsch: Ja, sehr gut sogar. Zu Beginn des Projektes, im April 2014, hatten wir unser Projekt-Auftakttreffen in Walldorf. Dort haben wir unsere Ziele und Maßnahmen vorgestellt. Und gerade für den Hirschackerwald (Schwetzingen, Anmerkung der Redaktion) hatten wir eine Zeichnung mit unserer Zukunftsvision für das Gebiet dabei: Wir wollten ein Landschaftsmosaik aus lichten Kiefernwäldern, Säumen und Sandrasen als Lebensraum für Sandlaufkäfer, Sandstrohblume und Heidelerche schaffen.

Für welche Tier- und Pflanzenarten sind neue Lebensräume entstanden?

Fritzsch: In Baden-Württemberg selten gewordene Vogelarten wie Ziegenmelker und die Heidelerche konnten nach Jahrzehnten wieder nachgewiesen werden. Auch in Baden-Württemberg sehr seltene Pflanzenarten, wie die Graue Skabiose oder die Sand-Silberscharte, haben sich bereits ausgebreitet. Außerdem fühlen sich hier wärmebedürftige Insekten, wie die Grüne Strandschrecke oder die Röhrenspinne, im Mosaik aus lichtem Wald und Offenland sehr wohl.

Was muss künftig noch getan werden, damit der Natur- und Artenschutz in dieser Landschaft erhalten bleibt?

Fritzsch: Für den Natur- und Artenschutz sind zunächst einmal die entsprechenden Behörden des Landes zuständig. Im Falle unseres Projektes haben wir aus diesem Grund auch keine Länderaufgaben übernommen, sondern konnten durch Entwicklungsmaßnahmen dem Land helfen, mehr als die Pflichtaufgaben umzusetzen. Unsere ehemaligen Maßnahmenflächen werden alle durch die Flächeneigentümer beziehungsweise im Falle von Naturschutzgebieten durch das Land weitergeführt und betreut. Wünschenswert wäre es, weitere Fördermittel einzuwerben und an unseren Handlungsfeldern oder auch anderen weiterzuarbeiten. Das Land hat signalisiert, dass Interesse an weiteren gemeinsamen Projekten besteht, um den Erhalt der biologischen Vielfalt zu sichern. Auch der Nabu steht weiteren Förderprojekten sehr offen gegenüber.

Hat das Interesse der Bevölkerung an der biologischen Vielfalt am Oberrhein in den letzten Jahren zugenommen oder ist es zurückgegangen?

Fritzsch: Das ist schwer zu sagen, da wir es nicht explizit untersucht haben. Die rund 500 Veranstaltungen waren meist gut besucht und das durchgängig. Unsere Ausbildungsangebote war sehr nachgefragt. Wir hatten Wartelisten und hätten noch weitere Durchgänge anbieten können. Da das Thema Insektensterben in den letzten Monaten tief in das gesellschaftliche Bewusstsein vorgedrungen ist, würde ich vermuten, dass das Interesse an biologischer Vielfalt allgemein und somit auch am Oberrhein eher zunimmt.

Das Interview wurde persönlich geführt und anschließend zur Autorisierung vorgelegt.

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