Metropolregion

Film Landauer Manuel Urbaneck hat mit „Live or let die“ das erste Endzeit-Drama aus der Pfalz gedreht

Zombie-Jagd im Wanderparadies

Landau.Träge umherirrende Untote gehen in einer morbiden Landschaft auf Menschenjagd. Der leere Blick in ihren halbverwesten Gesichtern macht sie zu Bestien ohne Bewusstsein. In der nächsten Einstellung gleitet die Kamera sanft von oben über den Pfälzerwald, um kurz darauf das Grauen der sich an hellrotem Fleisch labenden Zombies einzufangen. „Ein Endzeit-Drama ist eben kein Liebesfilm“, sagt der Landauer Manuel Urbaneck. Mit seiner Version der Apokalypse „Live or let die 2“ hat der gelernte Schreiner und Nebenerwerbs-Filmemacher den ersten Horrorstreifen aus der Pfalz geschaffen. Fast drei Jahre arbeitete er an seinem abendfüllenden Kinofilm, der jetzt im vollbesetzen „Universum“ in Landau Premiere feierte.

Morbide Szenerie

Der düstere Plot erzählt von einem Virus, das einen Großteil der Menschheit ausgelöscht oder in Zombies verwandelt hat, die nach frischem Menschenfleisch gieren. Die beiden Hauptfiguren John (Manuel Urbaneck) und Nick (Jan Bohlenschmidt) machen sich in der entvölkerten Pfalz auf die Suche nach einem sicheren Ort, dessen Koordinaten Nick in einem Notizbuch entdeckt hat. „Doch die Reise ist gefährlich“, verrät der Filmemacher.

Allerdings sei „Live or let die 2“ kein klassischer Zombie-Film. „Nicht die lebenden Toten sind die größte Bedrohung für John und Nick, sondern die anderen Überlebenden. Das Drama erzählt davon, wie sich Menschen verhalten, wenn sie in einer lebensfeindlichen Umgebung zurechtkommen müssen.“

Getreu der Theorie des englischen Philosophen Thomas Hobbes ,der Mensch ist des Menschen Wolf’, bekommen es die Guten mit Mördern, Psychopathen und Plünderern zu tun, die nach dem Zusammenbruch der Zivilisation keine Grenzen mehr kennen.

Die Pfalz hat Urbaneck aus logistischen Gründen als Schauplatz ausgewählt. „Hier konnten wir drehen, wann immer wir Zeit hatten. Außerdem finde ich es reizvoll, diese herrliche Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive zu zeigen.“

Gedreht hat das Team im Wild- und Wanderpark Silz, in der „Area 1“ – einem ehemaligen US-Munitionslager bei Fischbach, vor einem abgebrannten Gasthaus an der B 10, an der ehemaligen Diskothek „Voodoo“ am Landauer Hauptbahnhof, in der Rodalbener Bärenhöhle sowie in einem leerstehenden Supermarkt in der Südpfalz, einem verfallenen Gewächshaus, auf dem Taubensuhl und im heimischen, halb verwilderten Garten in Godramstein. „Der Schutt der Hausrenovierung war die perfekte Kulisse für ärmliches Biwak mit Lagerfeuer“, verrät der Mann mit dem Blick für gute Szenen. „Ich bin völlig filmverrückt und total detailversessen“, erzählt der 35-Jährige. Darum habe er auch alles selbst gemacht: „Ich bin Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor, Hauptdarsteller, Cutter, Produzent, Tontechniker und Mädchen für alles.“ Zudem hat der Landauer den Streifen selbst finanziert. „Ich wollte nicht, dass mir jemand reinredet. Ich habe meine Vorstellungen und die wollte ich umsetzen.“

Seine große Leidenschaft gelte den Spezialeffekten. „Die sind wie Zaubertricks, wenn alles stimmt, kommt die Szene realistisch rüber und alle fragen sich: ,Wie macht er das nur?’ Besonderen Wert hat Urbaneck deshalb auf das Aussehen seiner lebenden Leichen gelegt. „Um einen Zombie zu schminken, haben wir vier Stunden gebraucht. Aber sie sollten ja echt wirken und nicht aussehen wie Geisterbahn-Statisten in einem Freizeitpark.“ Auch Blut fließt in seinem Werk reichlich, „aber nur englisches, das ist das beste Filmblut überhaupt.“

Neues Projekt geplant

Das Genre „Horrorfilm“ habe ihn schon immer fasziniert. „Als Siebenjähriger bin ich heimlich und mit einer Decke über dem Kopf vorm Fernseher gesessen und habe ,Friedhof der Kuscheltiere’ angeschaut“, gibt er zu. „Danach war ich traumatisiert, aber auf lange Sicht gesehen hat es mir wohl nicht geschadet.“ Dass es so wenig deutsche Schocker gibt, findet der Landauer schade. „Seltsamerweise finden es alle Leute cool, wenn Will Smith durch New York rennt und rumballert. Wenn Til Schweiger dasselbe in Frankfurt macht, lachen sie über ihn.“

Das möchte Urbaneck ändern. „Ich habe viele Ideen für ein neues Projekt. Ich denke da an eine Familie, ein Haus und Dämonen. Und wenn die Pilz-Hochstraße in Ludwigshafen abgerissen wird, wäre das auch eine fantastische Filmkulisse.“

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