Metropolregion

Zu Ehren der „Retterin von Neustadt“

Neustadt: „Weihnachtsmarkt der Kunigunde“ in Altstadt erinnert an eine deutsch-französische Liebesgeschichte

Neustadt.Eine deutsch-französische Liebesgeschichte mit Happy End aus dem späten 17. Jahrhundert ist die Ursache dafür, dass es heute in Neustadt einen „Weihnachtsmarkt der Kunigunde“ gibt. Als sich 1688 im Pfälzischen Erbfolgekrieg die französischen Truppen bereit machten, vom 490 Meter hohen Nollenkopf aus die Stadt Neustadt und das nahe Weindorf Hambach mit ihren Kanonen dem Erdboden gleich zu machen, erschien vor dem General Jean Pierre de Werth eine Gesandtschaft der Deutschen mit der Bitte um Verschonung.

Der kleinen Gruppe gehörte auch Barbara Kunigunde Kirchner (1671 Heidelberg/1709) an, die als schönstes Mädchen von Neustadt galt. Sie war „très couragieuse“ (sehr mutig), von vornehmer Erscheinung und sprach französisch. Der General verliebte sich auf den ersten Blick in die Pfälzer Schönheit, verschonte die Gemeinden am Fuße des Nollenkopfs – und später heirateten die beiden sogar. Kunigunde Kirchner galt fortan als „Retterin von Neustadt“.

Der „Kunigunden-Markt“ im Michel´schen Hof, dem Hof der Vizedomei und im Rathaus-Innenhof erinnert an die deutsch-französische Liebe von einst. Der Markt geht fließend in den althergebrachten Neustadter Weihnachtsmarkt über – besitzt aber einen anderen Charakter: „Er ist eine Liaison der Genüsse – ein ungewöhnliches Erlebnis für Augen, Ohren und Nase,“ beschreibt der Neustadter Touristikchef Martin Franck den Markt im romantischen Ambiente der Innenhöfe, der noch an den nächsten beiden Wochenenden stattfindet: freitags von 15 bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 21 Uhr.

Dieser ungewöhnliche Markt ist international: Er bietet Meeresfrüchte aller Art aus Südschweden, Weine, Trüffel, Pasta, Käse und Salami aus den italienischen Regionen Roero und Veneto sowie süße Delikatessen aus der englischen Partnerstadt Lincoln. Hinzu kommen pfälzische Spezialitäten, so dass die Organisatoren für den gemütlichen Weihnachts-Bummel durch die drei Höfe von einer „kulinarischen Reise des guten Geschmacks“ sprechen. Seifen und Kerzen, Kräuter und Gewürze, Alkoholika und Öle, Bildhauerei und Schmuck – das Angebot ist riesig.

Deftiger geht es auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz im Schatten der Stiftskirche, des barocken Rathauses und des Scheffelhauses (dort gibt es zweimal ein „Turmblasen“ der Blechbläser) sowie auf dem Juliusplatz zu, wo Glühwein und Bratwurst, Crêpes und Flammkuchen – aber auch eine Kinder-Eisenbahn und ein kulturelles Bühnenprogramm locken. Erstmals wird auch der Bereich zwischen Kriegerdenkmal und Klemmhof mit Leben erfüllt, denn immerhin müssen rund 60 Stände und Buden in der engen Altstadt untergebracht werden. rs