Metropolregion

Nachhaltigkeit Junge Umweltwissenschaftlerin Rosie Watson will ein Zeichen im Kampf gegen die Klimakrise setzen

Zu Fuß bis in die Mongolei

Archivartikel

Römerberg.Voller Energie spricht Rosie Watson über ihr ehrgeiziges Vorhaben, mindestens ein Jahr lang zu Fuß quer durch Europa zu laufen – bis in die Mongolei. Alleine und ohne irgendwelchen Begleitschutz möchte die junge Engländerin täglich zwischen 20 und 40 Kilometer unterwegs sein und dabei mit möglichst vielen Menschen sprechen. Über Projekte, die eine neue, nachhaltigere Lebensweise ermöglichen und brauchbare Wege aus der Klimakrise.

Am Lake District im Nordwesten Englands ist sie am 17. August gestartet. Bei einem ihrer wenigen Ruhetage im pfälzischen Römerberg, südlich von Speyer, macht sie Station bei Familie Pohlmann. Er ist Pressesprecher beim Mannheimer Energieversorger MVV, sie ist Englischlehrerin.

Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: An ihrem 25. Geburtstag, am 5. September, traf die studierte Umweltwissenschaftlerin in Nimwegen auf Michiel Hustinx. Der Holländer hatte die Kampagne zum Titelgewinn als „Europas grüne Hauptstadt 2018“ mitgestaltet und spricht der Engländerin aus der Seele, indem er erklärt, „man könne nicht nur mit Zahlen kommunizieren“, es ginge darum, „sich mit Menschen zu verbinden und unsere Persönlichkeit zu zeigen, wer wir als Stadt sind“.

Inzwischen verfügt Nimwegen über vier Windrädern, die 7000 Menschen mit Strom versorgen. Die Stadt will bis 2045 energieneutral sein. Jedes Jahr werde „ein grauer Fleck“ der Stadt auserwählt und zum Beispiel ein Parkplatz in eine Grünfläche verwandelt. Am meisten beeindruckt war die Klimaläuferin bisher von der aufsehenerregenden Rettungsaktion im Hambacher Forst. Das über Jahrhunderte gewachsene Ökosystem zwischen Köln und Aachen soll in wenigen Jahren komplett dem größten Braunkohletagebau Mitteleuropas geopfert werden. Es sind solche Klimaschutz-Fixpunkte, die Rosie Watson aufspüren und über Erfahrungsberichte bei Facebook mit vielen Interessierten teilen möchte. Der Schlüssel zur Veränderung liege „in der Verknüpfung aller Kräfte und Ideen“, findet sie.

Wie weit sie mit ihrer auch symbolischen Aktion im Kampf gegen die Klimakrise kommt, steht noch in den Sternen. Sie will mindestens ein Jahr unterwegs sein und gegebenenfalls erst nach zwei Jahren heimkehren. Gewappnet ist die sportliche Engländerin: Wichtigste Utensilien im zehn Kilo schweren Rucksack sind das Smartphone mit GPS und ein Zelt. Und sie liebt ihre Erdnussbutter. Wenn’s in den Wintermonaten zu kalt wird, will sie nachts laufen und tagsüber schlafen.

Das nächste größere Ziel ist Freiburg. Über Zürich soll ihr Weg dann über Kroatien und Bosnien ans Schwarze Meer führen. Für April hat sie sich Georgien hochgerechnet. Schaffen will es die Klima-Abenteurerin zumindest bis Kasachstan, das dünn besiedelt ist und als einzelnes Land halb so groß wie Europa.

7000 Pfund (etwa 7900 Euro) hat sich die Engländerin nach Abschluss ihres Studiums verdient. Damit will sie auskommen und hofft, dass noch etwas übrig bleibt.

Info: Rosie Watson hat einen Blog im Netz unter: https://newstoryrun.wordpress.com 

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