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MVV Energie Neue Anlage in Kiel erst zum Jahresende einsatzbereit / Probleme mit Rückkühlern / „Keine Auswirkungen auf Kunden“

Kraftwerk-Start verzögert sich erneut

Archivartikel

Mannheim/Kiel.Das neue Küstenkraftwerk der Stadtwerke Kiel wird gerne als Vorzeigeprojekt beschrieben: modern, flexibel, effizient, CO2-einsparend. Und es ist mit einem Gesamtvolumen von 290 Millionen Euro die zurzeit größte Investition der MVV Energie AG, die Mehrheitsaktionär der Stadtwerke Kiel ist. Was jedoch weniger vorbildlich verläuft, ist die Entstehungsgeschichte der Anlage, die wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Nun kommt ein weiteres Kapitel hinzu: Denn die Inbetriebnahme des Kraftwerks verzögert sich erneut um rund ein halbes Jahr.

Bei der Hauptversammlung der MVV Anfang März im Mannheimer Rosengarten hatte Vorstandsvorsitzender Georg Müller noch gesagt, das neue Kraftwerk werde in den nächsten Wochen fertiggestellt. Die Inbetriebnahme war für dieses Frühjahr geplant. Doch daraus wird nichts: „Ende des Jahres werden wir den Probebetrieb haben und ein paar Wochen später ans Netz gehen“, sagt nun Sönke Schuster, der Pressesprecher der Stadtwerke Kiel. Einen konkreteren Termin will er nicht nennen. Doch er zeigt sich überzeugt: „Rechtzeitig zur Winterperiode 2019/2020 wird das Kraftwerk ans Netz gehen.“

Großprojekt mit Schwierigkeiten

Grund für die abermalige Verzögerung sind Schuster zufolge Probleme mit den sogenannten Rückkühlern. Das sind 80 etwa zwei Meter hohe „überdimensionierte Ablassventile“, wie er sie beschreibt. Über diese wird vor allem im Sommer, wenn das Kraftwerk mehr Fernwärme erzeugt als benötigt wird, die überschüssige Wärme abgelassen. „Die Rückkühler haben noch nicht die Leistungsfähigkeit, die wir beauftragt hatten“, sagt Schuster. Darum werden nun Nacharbeiten fällig.

Es sind nicht die ersten Schwierigkeiten bei dem Großprojekt. Zeitweise stand sogar dessen Realisierung infrage. Die MVV als Mehrheitsaktionär war entgegen dem Eigner der restlichen Anteile, der Stadt Kiel, eine Zeit lang nicht davon überzeugt – und liebäugelte sogar mit einem Verkauf ihrer Anteile am Stadtwerk der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Erst die Zusage von Subventionen durch den damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel brachte den Durchbruch.

Doch der Zeitplan, der die Inbetriebnahme ursprünglich für Herbst 2018 avisiert hatte, war ambitioniert – und musste bereits 2017 um ein halbes Jahr nach hinten korrigiert werden. Nun soll es also Ende 2019 werden. Immerhin bleiben die Kosten voraussichtlich im Rahmen: „Wir hatten ein Volumen von 290 Millionen Euro angepeilt, und dabei werden wir wohl auch landen“, sagt Schuster.

Auf die Prognose der MVV für das laufende Geschäftsjahr, die das Unternehmen bereits vor zehn Tagen nach unten korrigiert hatte, „haben die Verzögerungen keine Auswirkungen“, teilt ein Sprecher mit. Auch wenn es „natürlich bedauerlich“ sei, dass es dazu komme.

Bemerkenswert bei der ganzen Geschichte ist darüber hinaus, dass das alte Gemeinschaftskraftwerk Kiel, das von der neuen Anlage ersetzt wird, bereits Ende März abgeschaltet worden ist. Auswirkungen auf die Kunden habe das jedoch nicht, betont Stadtwerke-Sprecher Schuster. Sie würden zurzeit von etwa einem halben Dutzend dezentralen Heizkraftwerken versorgt. Das reiche in den Sommermonaten: „Und den Strom, den wir darüber hinaus brauchen, kaufen wir dann halt ein.“ Im Winter aber, wenn die Temperaturen unter minus zehn Grad sinken sollten, „sind wir eng auf Kante genäht“, sagt Schuster. Zu einer weiteren Verzögerung sollte es in Kiel also nicht kommen.