MVV

EnBW will Anteile bei MVV weiter aufstocken Die EnBW will ihre Anteile bei der MVV Energie aufstocken, verfolgt aber offenbar andere Ziele als die offiziell verkündeten

Nebelkerzen aus Karlsruhe

Mannheim.Irgendwann kriegen wir sie! Diese Absicht zieht sich wie ein roter Faden durch das Verhalten von mehreren Vorstandsvorsitzenden der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Egal ob Gerhard Goll, Utz Claassen, Hans-Peter Villis oder Frank Mastiaux - Ziel ihrer Begierde war und ist der Mannheimer Energieversorger MVV, der sich seit mittlerweile mehr als 13 Jahren nach Kräften gegen die Attacken aus Karlsruhe wehrt.

Eine reine Finanzbeteiligung sei das Engagement bei der MVV, will die EnBW im Rahmen einer Anteilsaufstockung derzeit glauben machen. Doch das sind nur Nebelkerzen. Die Geschichte der Beziehung der beiden Unternehmen lässt viele Absichten zu, nur nicht die eines reinen Finanzengagements.

Klage fallengelassen

Der Einstieg der EnBW in Mannheim gelang im Jahr 2004. Damals übernahmen die Karlsruher 15 Prozent der MVV-Aktien vom Ruhrgas-Konzern. Die bekam die EnBW für das Fallenlassen einer Klage, mit der der Karlsruher Konzern die Übernahme des größten deutschen Gasversorgers durch Eon blockierte. Damals sicherte die EnBW dem Kartellamt ausdrücklich zu, keine weiteren MVV-Anteile mehr zu kaufen. Ein Versprechen, das nicht lange hielt.

Drei Jahre später steigt bei einer Kapitalerhöhung der MVV die Kölner Rheinenergie ein - auf ausdrücklichen Wunsch aus Mannheim. Doch im Zuge des Einstiegs kaufen der französische GDF-Konzern (der heute Engie heißt) rund sechs Prozent und die britische Barclays Bank sieben Prozent der MVV-Aktien. 2012 gibt die EnBW zu, dass sie der Auftraggeber für Barclays war. Nur zwei Jahre später übernimmt die EnBW offiziell die Anteile von Barclays und kommt nun auf 22 Prozent in Mannheim.

Entscheidungen blockieren

In diesem Jahr hat die EnBW mit dem GDF-Nachfolger Engie die Übernahme von 6,3 Prozent an der MVV vereinbart, damit kämen die Karlsruher auf 28,8 Prozent in Mannheim, eine Sperrminorität, mit der sich wichtige Entscheidungen blockieren lassen. Offiziell in der Hauptversammlung, aber auch mittelbar, etwa beim Großkraftwerk Mannheim, an dem beide Energieversorger beteiligt sind.

Die Beteiligung in Mannheim wird von der EnBW als Teil der Finanzanlagen tituliert, mit denen langfristige Verpflichtungen abgesichert werden, etwa Pensionszusagen. Doch die Umwidmung einer Finanz- in eine strategische Beteiligung ist eine Sache von Minuten, denn das scheinen die MVV-Aktien in den EnBW-Büchern in Wirklichkeit zu sein.

Denn warum hat sich die EnBW über Optionsgeschäfte mit Barclays an die MVV herangeschlichen? Es hätte auch transparent gemacht werden können. Warum schließt die EnBW einen Sitz im Aufsichtsrat der MVV nicht explizit aus? Wer in den Aufsichtsrat will, will auch strategisch mitentscheiden. Auch ein Verkauf des MVV-Pakets durch die EnBW scheint möglich. So verfährt man aber eher selten mit langfristigen Finanzanlagen.

Die Politik in Mannheim ist auf den Barrikaden. Vertreter von Grünen und CDU in Mannheim wenden sich in einer seltenen Allianz gegen die Landesregierung in Baden-Württemberg, die von ihren Parteifreunden getragen wird. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält sich zurück. Die EnBW gehöre zwar zum Teil dem Land, "aber solche Fragen muss das Unternehmen selbst entscheiden", sagte er kürzlich dieser Zeitung zu den Plänen in Mannheim. "Mir ist versichert worden, dass die EnBW kein strategisches Interesse verfolgt, sondern nur ihr Geld gut anlegen will", so Kretschmann.

Hilfe aus Stuttgart erwartet

Die MVV sei ein wichtiges Unternehmen in Baden-Württemberg und die Region. "Ich bin als Regierungschef durchaus interessiert, dass es so bleibt", versicherte er. Auch hier keine klare Aussage zur künftigen Unabhängigkeit der MVV. Das reicht nicht. Aus Stuttgart muss mehr Hilfe für die MVV kommen. Und vielleicht auch vom Kartellamt, das derzeit die Aufstockung durch die EnBW prüft. Was jeder in der Region weiß: EnBW und MVV sind Konkurrenten, ihre Absatzgebiete überschneiden sich stark.

Bisher zählte die MVV zu den innovativeren unter den deutschen Energiekonzernen. Beizeiten wurde in erneuerbare Energien investiert und mit der Übernahme von Juwi eine starke Marktposition aufgebaut. Das eigene Know-how in der Müllverbrennung wurde in zwei großen Anlagen nach Großbritannien exportiert. Und in Ostdeutschland wurden Biomethananlagen gebaut.

Die EnBW hinkt da hinterher. Doch die 1,4 Milliarden Euro, die der Konzern aus der Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuer kassiert hat, wird etwa nicht mit voller Kraft in innovative Geschäftsmodelle der Zukunft investiert, sondern auch eine Finanzbeteiligung in Mannheim aufgestockt. Das ist wieder einmal alles andere als glaubwürdig.