MVV

MVV Energie Vorstandschef Georg Müller sieht EU-Austritt Großbritanniens gelassen / Umfangreiche Aktivitäten auf der Insel

Trotz Brexit „zukunftssicher aufgestellt“

Mannheim.Das angekündigte Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) schreckt die Mannheimer MVV Energie nicht – trotz umfangreicher Aktivitäten des Unternehmens auf der Insel. Dies gelte auch für einen möglichen „harten“ Brexit, also die Loslösung Großbritanniens ohne begleitende Abkommen mit Brüssel. „Wir bedauern die Entscheidung Großbritanniens für den Brexit, haben diese aber zu respektieren“, sagte MVV-Vorstandschef Georg Müller in einem Interview mit der „Zeitung für kommunale Wirtschaft“ („ZfK“). Die Projekte des Mannheimer Energieversorgers in Großbritannien seien so strukturiert, dass sie unabhängig von einer EU-Mitgliedschaft Großbritanniens „gut und zukunftssicher“ aufgestellt seien.

„Dazu gehört, dass sie in britischen Projektgesellschaften geführt werden, sämtliche Projektverträge englischem respektive schottischem Recht unterliegen und währungskongruent, teilweise durch den Einsatz von Sicherungsinstrumenten finanziert sind“, sagte Müller der „ZfK“. Das heißt, dass die MVV Ausgaben und Finanzierung in derselben Währung – also britischem Pfund – abwickelt. Auf diese Weise verringert das börsennotierte Unternehmen Wechselkursrisiken.

Neues Kraftwerk in Dundee

Derzeit baut die MVV in Dundee ein Heizkraftwerk, die Investitionssumme liegt bei rund 135 Millionen Euro. Auch eine Müllverbrennungsanlage in der schottischen Hafenstadt hat der Mannheimer Versorger übernommen. Außerdem betreibt das Unternehmen in England ein Heizkraftwerk in Plymouth sowie ein Biomassekraftwerk in Ridham Dock. Das Kraftwerk in Plymouth stellt mit 250 Millionen Euro bislang die größte Einzelinvestition in der MVV-Geschichte dar.

Angesichts der milliardenschweren Neuordnung der Branchenschwergewichte RWE und Eon, die die Geschäfte mit Stromerzeugung einerseits und Energienetzen andererseits untereinander aufteilen, gab sich Müller gelassen. „Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und unsere Weiterentwicklung“, bekräftigte der MVV-Vorstandschef. Dabei setze man bewusst auf die Vorteile der kompletten Wertschöpfungskette des Geschäfts. „Kommunale Energieunternehmen genießen zu Recht in hohem Maße das Vertrauen der Menschen, denn sie kennen die Bedürfnisse und zukünftigen Herausforderungen ihrer Kommune, ihrer Bürger und der regionalen Wirtschaft.“

Große Bedeutung für das MVV-Geschäft misst Müller dem Thema Digitalisierung bei. „Die beginnende zweite Phase der Energiewende muss die Energiewelt der Erneuerbaren effektiv und zeitgemäß zum Kunden bringen“, zeigte sich der Vorstandschef überzeugt. Der Trend gehe dabei zu einer Energieversorgung, die dezentral und erneuerbar sei und deshalb zunehmend digital gesteuert werde. fas