Nationalmannschaft

DFB-Team Zuspruch von vielen Vereinstrainern

Bundesliga steht zu Joachim Löw

Archivartikel

München.Die Schuldfrage ist klar, doch der Weltmeisterkredit ist größer. Die Tendenz verfestigt sich immer mehr: Joachim Löw ist für die Verbandsbosse, die eigenen Spieler, die vielen Experten und auch für einen Großteil der Fans nicht der Alleinverantwortliche für das desaströse Scheitern des viermaligen Weltmeisters beim Turnier in Russland. Und der Langzeit-Bundestrainer will wohl weitermachen.

„Es gibt ja nicht nur einen Grund oder die einzige Sache, die zum Scheitern beigetragen hat“, hat Löw schon selbst gesagt und sich damit den Weg offen gehalten, die WM-Schmach bei der EURO 2020 und der WM 2022 tilgen zu können als wichtigster Coach des Landes.

Der gemeinnützige Deutsche Fußball-Bund erwartet in dieser Woche gleich mehrere Ja-Wörter von seinem bestbezahlten Angestellten Löw. Ja zur Fortsetzung seines vertraglich bis zur WM in Katar festgelegten Arbeitsverhältnisses. Ja zu „tiefgehenden Maßnahmen und klaren Veränderungen“, wie sie Löw gleich nach dem blamablen Scheitern in Kasan selbst einforderte. Ja zu unbequemen Konsequenzen, die auch langjährige Gefährten und Vertraute treffen würden.

Kovac kann mitfühlen

Auf den Chef Löw wollte hingegen bisher niemand mit dem Finger zeigen. „Ich weiß, was es heißt, Nationaltrainer zu sein, was es heißt, wenn man nicht erfolgreich ist. Dann hauen alle nur auf einen Menschen drauf, und das ist nicht richtig“, sagte Niko Kovac, der von 2013 bis 2015 Kroatiens Nationalteam trainiert hatte. Genauso wie mehrere Menschen Anteil am Erfolg hätten, würden auch mehrere Menschen Anteil am Misserfolg haben, ergänzte der Bayern-Chefcoach beim Trainingsstart in München.

Hoffenheims Chefcoach Julian Nagelsmann sprach sich vehement gegen einen Rücktritt aus. „Ich weiß nicht, warum es eine so große Diskussion darum gibt“, sagte der 30-Jährige. „Jogi Löw ist nicht allein in Russland ausgeschieden, sondern es passierte im Team – und alle Spieler werden jetzt auch nicht aufhören.“ Löw habe so viel für den deutschen Fußball getan. „Da muss man ihm auch mal zugestehen, dass das, was er anpackt, nicht immer Gold ist und auch mal in die Hosen gehen kann – wie die WM“, sagte Nagelsmann. „Warum soll der Bundestrainer nach der ersten negativen Situation sofort das Handtuch werfen? Er hat so viele gute Sachen gemacht.“

Auch Freiburgs Trainer Christian Streich wünscht sich Löw weiter im Amt. „Ich gehe fest davon aus, dass kein Nachfolger gebraucht wird. Das hoffe ich sehr, weil es eine Erfolgsgeschichte ist, auch wenn es jetzt mal nicht so war.“