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Fußball DFB-Elf kann in Spanien ein schwieriges Jahr zumindest sportlich erfolgreich abschließen / Neue Corona-Fälle bei der Ukraine

Chance auf ein gutes Ende

Sevilla.Manuel Neuer eierte vor seinem Rekordspiel im deutschen Tor gar nicht erst herum. Der Kapitän formulierte im frühlingshaft warmen Sevilla ein klares Ziel vor seinem 96. Einsatz am Dienstagabend (20.45 Uhr/ARD) gegen Spanien. „Es ist für uns ein Finale, ein Endspiel. So werden wir es angehen“, verkündete der 34-Jährige vor dem Abschlusstraining im Estadio Olímpico de La Cartuja. Natürlich ist im Risikogebiet Andalusien die Corona-Gefahr wieder permanent präsent. Aber das verflixte Pandemie-Jahr 2020 soll mit dem Gruppensieg in der Nations League zumindest sportlich ein Happy-End erfahren. „Das würde uns gut tun und helfen“, sagte Neuer mit Blick auf den Entwicklungsprozess der jungen DFB-Auswahl.

Bundestrainer Joachim Löw und die DFB-Verantwortlichen um Olivier Bierhoff könnten im Erfolgsfall etwas entspannter in die viermonatige Winterpause der Nationalelf gehen und der EM im Sommer 2021 mit etwas mehr Vorfreude und auch Zuversicht entgegenblicken. Die bislang bei allen sieben Corona-Länderspielen (ohne Niederlage) sichere DFB-Blase soll auch zum Jahresabschluss Spieler, Trainer und Betreuer schützen.

„Wir hoffen, dass es bei uns weiterhin keine positiven Fälle geben wird“, sagte Löw. „Überrascht“ reagierte der 60-Jährige am Montag in Sevilla auf die Nachricht, dass zwei Tage nach dem 3:1 gegen die Ukraine zwei in Leipzig beim Gegner eingesetzte Akteure positiv getestet wurden: „Vor dem Spiel waren alle ukrainischen Spieler negativ. Ich weiß nicht, was in der Zwischenzeit passiert ist.“

Auf Sieg spielen

Vor dem Flug nach Spanien und nach der Ankunft in Sevilla wurde der deutsche Tross erneut getestet. So soll die 48-Stunden-Frist gewahrt werden, damit niemand bei weiteren negativen Ergebnissen nach der Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne muss. Um Außenkontakte noch mehr zu reduzieren, wird der Mannschaftsflieger am Mittwoch auf dem Weg nach Düsseldorf in München zwischenlanden. Dort können dann unter anderen die fünf Bayern-Profis aussteigen. „Es sind turbulente Zeiten für die Gesellschaft und auch für uns im Fußball“, bemerkte Neuer: „Alle Menschen sehnen sich danach, dass es wieder normaler wird.“

Im natürlich wieder zuschauerlosen Stadion von Sevilla liegt der Fokus von Neuer und Co. darauf, die finale Länderspielwoche des Jahres möglichst mit dem dritten Sieg abzurunden. Die Kraftprobe mit den von Löw noch nie in einem Pflichtspiel besiegten Spaniern um Anführer Sergio Ramos wird zum wichtigen EM-Test, auch für den so hochgelobten Turbosturm mit Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry, der gegen die Ukraine alle drei DFB-Treffer erzielte. „Wir haben eine große Herausforderung in diesem Spiel zu bestehen“, sagte Löw.

Das Selbstvertrauen ist groß. „Es schaut sehr gut für uns aus. Eine bessere Ausgangslage hätten wir uns nach den zwei Unentschieden zum Anfang nicht erträumen können“, sagte Angreifer Gnabry. Mit neun Punkten führt Deutschland die Gruppe 4 der A-Liga vor Spanien (8) an. „Wir müssen mit breiter Brust auf den Platz gehen und die Tabellenführung verteidigen“, sagte Gnabry zur Herangehensweise.

Ein Unentschieden reicht. Aber Löw will nicht taktieren. „Wir wollen das Spiel gewinnen und nicht irgendetwas verteidigen“, kündigte er an. Organisation und Kompaktheit nannte er als zentrale Bausteine. Ähnlich äußerte sich Neuer, der Sepp Maiers 95. Einsätze im Tor überbietet. „Wir sagen nicht, wir verwalten da irgendwie ein Ergebnis oder schauen, dass wir auf Unentschieden spielen“, sagte der Kapitän.

Die Qualifikation für das Finalturnier im Oktober 2021 wäre sehr reizvoll. Weltmeister Frankreich steht als erster Teilnehmer fest. Belgien und Italien liegen wie Deutschland vor dem letzten Spieltag in ihren Gruppen ebenfalls vorne. Das „Endspiel“ gegen die Spanier dürfte auch ein Willensakt werden – und eine Frage der Kraft bei der dritten Partie innerhalb von sieben Tagen. Ausgeruht ist Toni Kroos. Der 100-Länderspiele-Mann von Real Madrid kehrt nach seiner Gelb-Sperre ins Mittelfeld zurück. Ilkay Gündogan und der formstarke Leon Goretzka sollen mit Kroos ein starkes Kraftzentrum bilden. dpa

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