Nationalmannschaft

Fußball Nach der Niederlage gegen die Niederlande steht die DFB-Elf bei der unangenehmen Aufgabe in Nordirland unter Ergebnisdruck

Der Aufbruch macht Pause

Belfast.Nieselregen, 13 Grad, windig. Das typisch-garstige britische Wetter passte zur eingetrübten Stimmung im Lager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, als der DFB-Charterflieger am Sonntagmittag in Belfast landete. Statt der geplanten behutsamen fußballerischen Weiterentwicklung auf dem Weg zurück in die Weltspitze steht die Mannschaft von Joachim Löw im EM-Qualifikationsspiel am Montag (20.45 Uhr/live RTL) in Nordirland erst einmal unter Ergebnisdruck.

Eine weitere Niederlage darf sich die deutsche Auswahl nach dem frustrierenden 2:4 gegen die Niederlande vom Freitag nicht erlauben, wenn die Teilnahme am paneuropäischen Turnier 2020 nicht doch noch ernsthaft in Gefahr geraten soll. Zumindest der zweite Platz hinter den Niederlanden, der die direkte EM-Qualifikation garantiert, soll in den verbleibenden vier Partien mit vier Siegen gesichert werden. Das ist das Mindestziel. Die Aufbruchsstimmung rund um die DFB-Elf macht vorerst Pause.

„Das Spiel in Nordirland ist nach der Niederlage gegen Holland enorm wichtig. Wir müssen mit aller Macht drei Punkte anstreben“, forderte Joachim Löw auf der Pressekonferenz im Windsor Park am späten Sonntagnachmittag. Der Bundestrainer sieht sich nach dem schmerzhaften Oranje-Flop zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder kritischen Fragen zu seinen Entscheidungen als Fußballtrainer ausgesetzt. Nach der Doppel-Einwechslung von Kai Havertz und Ilkay Gündogan für Timo Werner und Marco Reus in der 61. Minute war die Partie am Freitag vollends in Richtung der Holländer gekippt. Das hat nicht jeder verstanden, auch wenn Löw den fehlgeschlagenen Schachzug damit begründete, mit ballsichereren Spieler für ein wenig mehr Ordnung auf dem Rasen sorgen zu wollen. Dies ging aber nach hinten los. Zumindest auf Gündogan wird der 59-Jährige ohnehin verzichten müssen, der englische Meister von Manchester City reiste am Sonntag wegen eines grippalen Infekts ab.

Eine Chance für Havertz?

Gegen den „Hoch-und-weit“-Stil der Nordiren, die mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze der Gruppe C stehen, bisher aber nur gegen die Leichtgewichte Weißrussland und Estland gewonnen haben, wird eine offensivere Herangehensweise als gegen die Holländer gefragt sein. „Sie spielen wahnsinnig körperlich robust. Sie spielen viele lange Bälle, darauf müssen wir uns einstellen. Und sie werden insgesamt tief stehen. Wir werden weniger Räume vorne bekommen. Deswegen müssen wir uns taktisch anders ausrichten“, sagte Löw. Der Bundestrainer will gegen die defensiven Nordiren auf eine Viererkette umstellen, in der links der Leipziger Marcel Halstenberg oder Jonas Hector für den am Fuß verletzen Nico Schulz auflaufen werden. „Das wird eine Bauchentscheidung“, meinte Löw. Für den im 4-2-3-1-System nicht benötigten Innenverteidiger Jonathan Tah, in Hamburg einer der Schwächsten, soll Kai Havertz mehr spielerische Linie ins Mittelfeld bringen. „Eigentlich hatte ich mit Ilkay geplant. Aber Kai Havertz ist ein Kandidat für die Startelf“, erklärte Löw.

Es dürfte ein ungemütlicher Abend gegen einen unbequemen Gegner in dem für seine heiße Atmosphäre berüchtigten Belfaster Stadion werden. „Da wird es brennen“, fürchtet auch Löw, der von seinem Team mehr Aggressivität einfordert. „Gegen Holland hat die Mentalität, jeden Zweikampf mit der letzten Konsequenz zu bestreiten, ein bisschen gefehlt“, kritisierte der 59-Jährige. Bei seinen Spielern ist die Botschaft offenbar angekommen. „Wir dürfen uns keinen Ausrutscher mehr erlauben und müssen ein komplett anderes Gesicht zeigen“, postulierte Joshua Kimmich.

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