Nationalmannschaft

DFB-Elf I Jérôme Boateng reagiert auf Rummenigge-Aussagen zu einem möglichen Wechsel – und meldet sich für Mexiko fit

Der „Boss“ zeigt sich irritiert

Watutinki.Am Sonntag kehrt Jérôme Boateng an den Ort zurück, an dem alles begann. Wir schrieben den 10. Oktober 2009, als der junge Innenverteidiger des Hamburger SV an der Seite von Per Mertesacker beim 1:0-Sieg in der WM-Qualifikation im Moskauer Luschniki-Stadion gegen Russland sein Debüt im DFB-Trikot feierte – und in der 69. Minute gleich mit Gelb-Rot vom Platz flog.

„Daran erinnere ich mich natürlich noch, es war ein besonderes Erlebnis. Wir haben uns für die WM in Südafrika qualifiziert – so negativ war es also trotz meines Platzverweises nicht“, sagte der mittlerweile 29-Jährige gestern im DFB-Quartier in Watutinki. Wenn am Sonntag (17 Uhr/ZDF) die WM in Russland auch für die deutsche Nationalmannschaft mit dem ersten Gruppenspiel gegen Mexiko im Moskauer Luschniki-Stadion beginnt, wird Boateng mit Sicherheit dabei sein. Der aus Berlin stammende Abwehrschrank gehört nach 71 Länderspielen trotz seiner Verletzung kurz vor dem Turnier längst als unverzichtbarer Fixpunkt ins Team des Weltmeisters. „Der Boss“, nennt ihn ehrfürchtig die Boulevardpresse.

„Rhythmus über die Spiele“

Ende April hatte sich Bayern-Verteidiger Boateng im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid schwerer an den Adduktoren verletzt – ein Wettlauf mit der Zeit um seine WM-Teilnahme begann. Er hat ihn gewonnen. „Jérôme hat unglaublich hart an seiner Fitness gearbeitet“, lobte Bundestrainer Joachim Löw seinen Leistungsträger: „Er ist für uns mit seiner Präsenz enorm wichtig und ein Pfeiler unseres Teams.“

Auch Boateng selbst meldet sich bereit für das historische Projekt Titelverteidigung. „Ich fühle mich gut und es wird von Tag zu Tag besser. Ich bin guter Dinge“, sagte er gestern und fügte hinzu: „Es ist klar, dass man den richtigen Rhythmus nur über Spiele bekommt.“

Davon könnte der Mann mit der Vorliebe für Ketten, Ringe und Sonnenbrillen in Russland maximal sieben absolvieren – wenn die DFB-Elf wieder das Finale am 15. Juli erreicht. Auf diesem Weg wäre ein guter Start gegen Mexiko natürlich enorm bedeutsam – wie es bei den WM-Turnieren 2010 (4:0 gegen Australien) und 2014 (4:0 gegen Portugal) mustergültig gelang.

„Es ist ganz wichtig, gerade das erste Spiel zu gewinnen. Darauf liegt unser Fokus“, postulierte Boateng. Verbessern muss sich dafür aber auch die Arbeit in der Abwehr, die in den Vorbereitungsspielen gegen Österreich (1:2) und Saudi-Arabien (2:1) ungewohnte Wackler zeigte. „Da ist die ganze Mannschaft gefragt, dass wir eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive finden. Das war zuletzt nicht so gut, wie es vorher schon einmal war“, forderte der Abwehrchef, der gegen Mexiko mit Bayern-Kollege Mats Hummels eine eingespielte Innenverteidigung bilden dürfte.

Ob das Duo aber in der kommenden Saison auch im Verein weiterhin zusammen Tore zu verhindern versucht, ist mehr als fraglich. Boateng hatte zuletzt verkündet, für eine neue Herausforderung offen zu sein, worauf Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in dieser Woche mit einer überraschenden Quasi-Freigabe reagierte: „Wenn ein Verein kommt und er kundtut, dass er zu diesem Verein wechseln möchte, werden wir uns damit befassen.“

Vor allem über den Zeitpunkt dieser Äußerungen zu seiner Zukunft zeigte sich Boateng gestern irritiert. „Wir sind hier bei der Nationalmannschaft, es steht eine Weltmeisterschaft an. Das ist das Thema für mich, das andere ist überhaupt kein Thema für mich“, meinte er und setzte noch einen Seitenhieb in Richtung Rummenigge ab: „Ich weiß auch nicht, wozu die Aussagen getätigt wurden.“

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