Nationalmannschaft

Fußball Joachim Löws junge DFB-Garde hat große Ziele – die Nations League mit einem Topgegner wie Spanien kommt da gerade recht

Der nächste Neustart

Archivartikel

Stuttgart.Joachim Löw sieht angesichts der weltweiten Corona-Pandemie „im Moment sicher noch Wichtigeres“. Aber der Länderspiel-Neustart nach 289 Tagen Zwangspause ist für den Bundestrainer und sein erfolgshungriges Team natürlich ein besonderer Anreiz. „Die Spieler sind mit viel Motivation und Aufmerksamkeit bei der Sache“, erklärte Löw vor der zweiten Nations-League-Auflage gleich mit dem Klassiker gegen Ex-Weltmeister Spanien.

Schon mit dem Anpfiff am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) haben Trainer und Nationalspieler die in den Sommer 2021 verschobene EM im Blick. „Übergeordnet ist das Turnier im nächsten Jahr, jetzt müssen wir die ersten Schritte machen“, forderte Löw in Stuttgart sofort EM-Gier.

Gosens erhält Chance

Auch Interimskapitän Toni Kroos, der außer dem kontinentalen Titel schon alles gewonnen hat und der alles für den EM-Erfolg tun will, richtete die Aufmerksamkeit gleich auf das kommende Jahr: „Das ist das Hauptziel.“ Und der Weltmeister von 2014 schloss an: „Jedes Spiel kann wichtig sein Richtung Europameisterschaft.“

Bei Löw schlagen zum Start seiner 15. Saison als Bundestrainer noch „zwei Herzen in einer Brust“, wie der Weltmeister-Coach selbst einräumte. Auf der einen Seite kehrt sein Team endlich in den Wettkampfmodus zurück. Andererseits erlebt Löw in seiner 182. Partie als DFB-Chefcoach eine ungeliebte Premiere. „Als Trainer hatte ich noch nie ein Spiel ohne Zuschauer“, sagte der 60-Jährige. Der Start der Nations League geht in ganz Europa mit Geisterspielen über die Bühne. „Trotzdem bin ich hoch motiviert“, betonte Löw.

Für seine Mannschaft ist es gefühlt mindestens der dritte Neustart nach der völlig misslungenen WM mit dem Vorrunden-Aus in Russland 2018. Zunächst versuchte es der Bundestrainer noch mit dem verdienten Weltmeister-Personal um Thomas Müller und Mats Hummels, dann schickte er über Nacht die jungen Wilden um Serge Gnabry auf den Platz. Und jetzt nach der längsten Länderspiel-Unterbrechung seit 50 Jahren peilt Deutschland mit neuen Gesichtern wie Robin Gosens sowie den Rückkehrern Leroy Sané und Niklas Süle den EM-Titel an.

Die Münchner Sané im Angriff und Süle als Chef einer Dreier-Abwehrkette sind nach ausgeheilten Kreuzbandrissen gleich wieder erste Wahl. Gosens von Atalanta Bergamo besetzt die Position auf der defensiven linken Außenbahn. Der 26-Jährige habe es sich nach einer gute Saison „verdient, die Chance zu bekommen“, sagte Löw am Mittwoch. Auf der rechten Seite wird Thilo Kehrer, der mit Paris Saint-Germain beim Finalturnier der Champions League erst im Finale am FC Bayern gescheitert war, zum Einsatz kommen.

Dass Löw auf wichtige Teamsäulen wie die Champions-League-Sieger Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Gnabry und Leon Goretzka vom FC Bayern sowie Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann vom Königsklassen-Halbfinalisten RB Leipzig verzichtet, passt in Sachen Belastungssteuerung in seinen EM-Plan.

Der Umbruch ist ohnehin schon vollzogen: Im aktuellen Kader stehen neun Confed-Cup-Sieger von 2017, aber nur noch drei Weltmeister von 2014 (Kroos, Julian Draxler, Matthias Ginter). Nun geht es darum, Abläufe und Automatismen einzuschleifen. Um die neuen Strukturen zu festigen, sind Tests wie gegen Spanien und am Sonntag in der Schweiz als Wettkampfspiele für Löw besonders wichtig.

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