Nationalmannschaft

Fußball Nationalspieler Marco Reus will bei der WM nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen die Rakete zünden

„Eine ganz besondere Spezialkraft“

Leverkusen.Marco Reus hatte die Kapuze auf dem Weg zum Mannschaftsbus tief ins Gesicht gezogen und lächelte schüchtern. „Ich war echt glücklich und froh, dass ich wieder von Anfang gespielt habe. Das ist noch einmal was anderes“, sagte der Dortmunder mit leiser Stimme. Der 29-Jährige ist kein Mann großer Worte. Bei der WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien stach er heraus. Reus bereitete die Führung durch Timo Werner vor und traf später den Pfosten. Der Offensivkünstler sprühte beim 2:1 vor Spielfreude.

„Marco hatte wahnsinnig gute Laufwege. Ich bin sehr froh, dass er diesmal dabei ist. Er wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass wir bei der WM sehr weit kommen“, verteilte Bundestrainer Joachim Löw ein Sonderlob. „Er war sehr agil, sehr beweglich. Marco kann eine Rakete sein.“ Reus will in Russland unbedingt durchstarten, nachdem er in den vergangenen Jahren zum großen Pechvogel im DFB-Team geworden war. Vor der WM 2014 verletzte sich das BVB-Ass am Tag vor der Abreise nach Brasilien beim 6:1 im letzten Testspiel gegen Armenien schwer am Fuß. Den Triumph der Kollegen konnte er nur am Fernseher verfolgen. Vor der EM 2016 musste der Dribbelkünstler wegen Schambeinproblem aus dem Vorbereitungscamp abreisen – und auch danach plagten den EM-Teilnehmer von 2012 Verletzungsprobleme. Doch nach seinem Kreuzbandriss im Pokalfinale 2017 hat sich der Dortmunder jetzt rechtzeitig eindrucksvoll zurückgekämpft.

„Der Bundestrainer hofft wie ich, dass ich jetzt auch bei der WM zünde“, erklärte Reus. Der 29-Jährige überzeugte bei der Generalprobe gegen Saudi-Arabien auf der Position von Mesut Özil, der aufgrund einer Knieprellung fehlte. Julian Draxler besetzte die angestammte Reus-Position auf dem linken Offensivflügel. „Ich spiele gerne auf der 10. Ich hatte ein gutes Trainingslager“, erläuterte der Kreativspieler selbstbewusst. Eine Stammplatzgarantie für das Auftaktspiel gegen Mexiko am kommenden Sonntag wollte ihm Löw trotz der starken Eindrücke nicht ausstellen. Falls Özil rechtzeitig fit wird, dürfte Reus mit Draxler um den Platz auf der linken Seite konkurrieren. Der gebürtige Dortmunder genießt jeden Moment bei der Nationalmannschaft – und stellt keine Forderungen: „Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt.“

Sonderlob von Löw

Der Bundestrainer bezeichnete ihn als „ganz besondere Spezialkraft“. So hatte Löw vor vier Jahren die Reus-Kumpel und späteren Finalhelden Mario Götze und André Schürrle bezeichnet. Und auch Kapitän Manuel Neuer lobte den 31-fachen Nationalspieler: „Ich bin froh, dass Marco dabei ist und ein WM-Turnier spielen kann.“

An einer Sache muss Reus bis zum morgigen Abflug mit der WM-Sondermaschine LH 2018 nach Moskau aber noch arbeiten. Kurz vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses fiel ihm ein, dass er seinen Rollkoffer in der Kabine vergessen hatte. „Mist, den muss ich schnell holen“, sagte der Hoffnungsträger leise zu sich selbst und machte sich auf den Weg zurück.