Nationalmannschaft

Fußball Während Jubilar Toni Kroos beim 3:3 gegen die Schweiz eher unglücklich agierte, war Kai Havertz an allen drei deutschen Toren beteiligt

Gegenwart und Zukunft des DFB-Teams vereint

Köln.Der erste Weg nach dem Abpfiff führte Toni Kroos auf die Tribüne zu seinen Liebsten. Dort herzte der nun 15. Nationalspieler im elitären Club der Hunderter Ehefrau Jessica, Sohnemann Leon und Töchterchen Amelie. Nur der gerade ein Jahr alte Fin fehlte bei der Familienzusammenführung nach dem 3:3 gegen die Schweiz beim 100. Länderspiel von Kroos im leeren Kölner Stadion.

Die Einordnung des Jubiläums sagte viel aus über den 30-Jährigen. „Meine Familie bedeutet mir deutlich mehr, das kann man sich vorstellen“, sagte der Profi von Real Madrid. Trotzdem sei es für ihn natürlich ein besonderer Abend gewesen. „Die 100 erreicht zu haben, ist schon eine ganz schöne Marke. Aber wer mich kennt, der weiß, dass es mir mehr um Ergebnisse und um Erfolge geht als um Zahlen und Länderspieleinsätze“, sagte der Greifswalder.

„100 Spiele“ stand in kleinen, goldenen Lettern auf seinem Trikot, in dem der Weltmeister von 2014 auch mit dem aktuellen Team an Erfolge der Vergangenheit anknüpfen möchte. Auch DFB-Präsident Fritz Keller sprach Kroos’ Trophäensammlung bei seiner Laudatio in der Kabine an: „Auf der langen Liste seiner Erfolge fehlt jetzt eigentlich nur noch der Europameister-Titel.“

Die 90 Minuten gegen die Schweiz waren im Hinblick auf die EM 2021 freilich noch nicht titelreif. Auch Kroos persönlich hat schon bessere Spiele bestritten. Vorm 0:2 unterlief ihm ein bei ihm ungewohnter Ballverlust. „Das passiert auch mal dem besten Spieler“, kommentierte Bundestrainer Joachim Löw.

Lob vom Bundestrainer

Die Torgeschenke an die Schweizer ärgerten auch Kroos. Trotzdem wertete er sein Jubiläumsspiel nicht als Rückschritt: „Unser Problem waren die ersten zehn Minuten bis Viertelstunde, wo wir nicht gut angefangen haben und in Rückstand geraten. Danach haben wir ein gutes Spiel gemacht und uns fußballerisch zum letzten Spiel gesteigert.“

Dazu trug ein 21-Jähriger bei, der am Dienstagabend gerade mal sein zehntes Länderspiel bestritt: Kai Havertz. Der 100-Millionen-Mann vom FC Chelsea deutete an, dass er die Anlagen für eine ähnlich große Karriere mitbringt, wie die des in der Gegenwart noch das Spiel der DFB-Auswahl prägenden und diktierenden Kroos.

Havertz war in der gut funktionierenden Offensive an allen Toren beteiligt. Das 1:2 von Chelsea-Kollege Timo Werner bereitete er vor. Das 2:2 erzielte er aus spitzem Winkel selbst. Und das 3:3 von Serge Gnabry leitete er ein. „Wir sind nach vielen Rückschlägen zurückgekommen, wir haben Moral bewiesen“, lobte der frühere Leverkusener das Team. „Wir befinden uns in einem Prozess, wir haben eine junge Mannschaft. Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen und werden es weiter versuchen.“

Auch Löw lobte Havertz. „Es war ein wirklich gutes Spiel vom Kai. Man sieht einfach seine Fähigkeiten am Ball, seine manchmal sehr guten Pässe in die Spitze. Er hat ein schönes Tor gemacht“, sagte der Bundestrainer: „Er war ein Spieler, der anspielbar war, der die Bälle gut verteidigt hat.“ Das ist eine Fähigkeit, die auch Kroos auszeichnet. 

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