Nationalmannschaft

Fußball DFB-Abwehrchef ist "hin- und hergerissen", ob Hoffenheimer Trainer auch der richtige Coach für den FC Bayern wäre

Hummels zweifelt an Nagelsmann

Köln.Er ist derzeit Mr. Unverzichtbar bei Joachim Löw. "Mats Hummels war sicher in der Defensive der Stabilisator. Er hat viele Bälle bereinigt", sagte der Bundestrainer in London. Nicht erst der 61. Einsatz von Hummels im DFB-Team beim 0:0 in England hat gezeigt, der Münchner hat einen Lauf. Dass der 28-Jährige immer mehr auch in eine Chefrolle wächst, wurde nun mit der Kapitänsbinde bestätigt.

"Definitiv ein schöner Moment, in Wembley gegen England die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän anzuführen. Das ist toll", sagte Hummels zu seinem ersten Spiel als Vertreter des verletzten Manuel Neuer. "Ich bin ganz zufrieden, wie das jetzt seit einigen Monaten läuft. Ich will einfach daran in jedem Spiel anschließen."

Hummels vertritt eine klare Meinung - im Nationalteam und beim FC Bayern. In der Diskussion über die Nachfolge von Trainer Jupp Heynckes beim FC Bayern München äußerte er sich distanziert über seinen früheren Coach Thomas Tuchel. "Das würde ich dann kommentieren, wenn es so weit kommt", sagte Hummels der "Bild am Sonntag". Er habe darüber mit der Bayern-Führung schon einmal gesprochen, als es um die Nachfolge von Carlo Ancelotti ging.

Hummels und Tuchel arbeiteten in der Spielzeit 2015/16 bei Borussia Dortmund zusammen, was nicht immer reibungslos verlief. Beim abschließenden DFB-Pokalfinale, dass der BVB gegen den FC Bayern im Elfmeterschießen verlor, hatte Tuchel seinen Verteidiger kritisiert ("Er kann es besser").

Hummels ist unterdessen "hin- und hergerissen", ob Julian Nagelsmann der richtige Bayern-Trainer wäre. "Er ist nur zwei Jahre älter als ich. Aber ich halte es nicht für unmöglich", betonte der 28-Jährige, der nur lobende Worte für Heynckes übrig hat. "Die Disziplin. Die klare Struktur, die er vorgibt. Das sind Sachen, die den Jungs sehr guttun. Und er hat definitiv einen neuen Teamgeist reingebracht", beschreibt Hummels das Erfolgsrezept von Heynckes. Bei Ancelotti seien indes womöglich die Probleme mit der deutschen Sprache ein Grund für die Schwierigkeiten gewesen.

Hohelied auf Frankreich

In Sachen Nationalmannschaft zählt Hummels den kommenden Länderspiel-Gegner Frankreich zu den Topfavoriten auf den WM-Titel. "Die Franzosen haben eine unfassbare Breite bei den jungen Spielern. Auf dem Niveau habe ich so etwas selten gesehen. Wir haben das auch. Aber vom Standing her, dass die Spieler schon in jungen Jahren haben, sind die noch mal einen Schritt weiter. Eine sensationelle Mannschaft und für mich ein Top-Favorit für das WM-Turnier."

Löws WM-Experimente unterstützt der Innenverteidiger, obwohl er sich während der Partie gegen die jungen Engländer sichtbar über die Unzulänglichkeiten des deutschen Spiels ärgerte. "Es war einfach ein Austesten von einer leicht anderen Spielweise, die für uns gegen gewisse Gegner noch einmal sehr wichtig werden kann", sagte Hummels, ergänzte aber auch: "Dass wir mit dem Ball etwas ungenauer wurden und nicht mehr so ballsicher waren, die Bälle schneller verloren haben - daran müssen wir auch arbeiten."

Im Nationalteam genießt der Bayern-Profi seine Ausnahmerolle. "Es macht tatsächlich Spaß, wenn die Bälle reinfliegen und irgendwie zielen sie immer auf meinen Kopf. Da ist es schön, wenn man den Ball rausköpfen kann", erklärte Hummels und verriet noch ein kleines Geheimnis. Wegen Problemen mit seinen großen Zehen spielt er schon einige Zeit mit zwei Löchern in seinen Fußballschuhen.