Nationalmannschaft

Fußball Bundestrainer stellt sich hinter Ilkay Gündogan und Mesut Özil / Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von Situation, „die zu Missverständnissen einlud“

„Ich glaube, es ist eine Lehre für sie“

Dortmund.Joachim Löw hat alle Spekulationen über einen WM-Rauswurf von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit wenigen Worten beendet. „Selbstverständlich nicht. Daran habe ich nicht gedacht. Zu keiner Sekunde!“ Das Duo wegen des umstrittenen Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht für die WM in Russland zu berufen, kam für den Bundestrainer nicht infrage. Und doch war die Erdogan-Affäre bei der Nominierung des vorläufigen Aufgebots der Nationalmannschaft ein Thema, das weder der Weltmeister-Coach noch DFB-Chef Reinhard Grindel ignorieren konnten.

„Das war keine glückliche Aktion. Wenn man für Deutschland spielt, dann vertritt man das Land und die deutschen Werte“, sagte Löw. Und äußerte doch „ein bisschen Verständnis“ für die Situation von Spielern mit Migrationshintergrund. „Es ist nicht immer so leicht, das unter einen Hut zu bringen“.

Nach den klaren Worten Grindels am Montag, der Özil und Gündogan vorhielt, sie hätten sich von Erdogan bei dem Wahlkampf-Termin in London „missbrauchen lassen“, folgten relativierende Aussagen. Das Ziel war klar: Die heikle Aktion, die sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer von ihrem Sprecher Steffen Seibert vorgetragenem Stellungnahme veranlasste, soll die anstehende WM-Vorbereitung nicht belasten. Es sei eine Situation gewesen, „die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud“, sagte Seibert in Merkels Namen. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion.

Die will Löw den Mittelfeldspielern nicht absprechen. „Ich kenne beide länger. Beide haben für die Integration sehr viel getan. Ich glaube, es ist eine Lehre für sie. Sie werden darüber nachdenken. Wir werden auch im Trainingslager noch einmal darüber reden“, sagte Löw. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth verteidigte Özil und Gündogan: „So falsch ich die Fotos finde: Wir sollten nicht höhere Ansprüche an zwei Fußballer stellen als an unsere Regierung“, sagte die Grünen-Politikerin. Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Erdogan in London Trikots überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten harsche Kritik ausgelöst, da die Spieler mit dem Auftritt Wahlkampf-Hilfe für den umstrittenen Politiker geleistet hätten.

Die Affäre ist für den DFB ein sportpolitisches Ärgernis. Grindels erste harsche Reaktion auf die Erdogan-Bilder wirkt aber auch berechnend. Endlich kann er die Türkei, dem einzigen Konkurrenten um die Gastgeberrolle für die EM 2024, politische Vorhaltungen machen, was im Bewerbungsprozess der Uefa eigentlich untersagt ist. „Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“, sagte Grindel. Die Retourkutsche aus Istanbul ließ nicht lange auf sich warten. Der türkische Fußballverband (TFF) wies die DFB-Kritik als inakzeptabel zurück.

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