Nationalmannschaft

Fußball DFB-Chef sieht Gündogan und Can als Vorbilder in der Pflicht – auch in sozialen Medien

Keller stellt kritische Fragen

Berlin.Die Personallage bleibt trotz einiger Rückkehrer schwierig. Und auch die Debatten um Werte und Integration begleiten Joachim Löw und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die letzten Länderspiele des Vor-EM-Jahres 2019. Kurz vor der Kaderbenennung des Bundestrainers am Freitag, bei der Ex-Weltmeister Mats Hummels unberücksichtigt bleiben wird, kritisierte der neue DFB-Präsident Fritz Keller Ilkay Gündogan und Emre Can für ihre Social-Media-Likes für den türkischen Salut-Jubel vor rund einem Monat. In der gesellschaftlichen Grundsatzdebatte um Integration nahm der Verbandschef die deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln aber in Schutz.

Gündogan und Can seien „nicht unschuldig an der erneuten Diskussion“, schrieb der DFB-Chef in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“und betonte: „Mit sensiblen Themen muss man auch bei Social Media sensibel umgehen. So viel darf man erwarten.“ Allerdings müsse sich auch der DFB „kritisch hinterfragen, ob wir im Umgang mit dem Thema alles richtig machen“.

Heftige Werte-Debatte

Das „Gefällt mir“ von Gündogan und Can bei Instagram für ein Foto, das türkische Fußballer zeigt, die nach dem Siegtor von Cenk Tosun beim 1:0 gegen Albanien mit der Hand an der Stirn salutieren, hatten wie schon die gemeinsamen Fotos von Mesut Özil und Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan heftige Debatten über die Werte ausgelöst, die ein deutscher Nationalspieler vertritt.

Die Likes von Gündogan und Can galten einem Foto, das die Solidarität mit den türkischen Soldaten demonstriert, die an der international verurteilten „Operation Friedensquelle“ gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien im Einsatz waren.

DFB-Chef Keller erklärte nun, dass die „gesamte deutsche Gesellschaft“ überfordert sei bei den Fragen, wie Integration gelingen könne.

Überforderte Gesellschaft

„Was kann und muss jeder einzelne und jede einzelne von uns dazu beitragen? Wie zum Beispiel umgehen mit der Türkei unter Erdogan? Vor diesem Hintergrund ist es zu viel verlangt, dass ausgerechnet zwei Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln die perfekte Lösung präsentieren sollen, die ein ganzes Land nicht findet“, formulierte Keller.

Gündogan und Can hatten ihre Likes für den Salut-Gruß zurückgezogen und beteuert, dass sie keine politische Aussage treffen wollten. Im Mannschaftssport sei eine politisch bedingte Polarisierung problematisch, wenn sie dysfunktional wirke, bemerkte Keller: „Im Klartext: Eine polarisierte Mannschaft „funktioniert“ nicht.“

Das Bild, das die DFB-Elf zuletzt abgegeben hatte, bedarf einer Korrektur. Der Auftrag für Löw ist klar. „Wir müssen die Qualifikation klarmachen“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: „Es ist kein Selbstläufer, auch gegen Nordirland.“ Löw selbst hat für den Abschluss der EM-Ausscheidung am 16. November in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt gegen Nordirland erklärt: „Ich erwarte zwei Siege.“ dpa