Nationalmannschaft

Fußball Der Bundestrainer fordert gegen die Schweiz Mut und Offensivakzente / Verhältnis zu Schweinsteiger trotz Kritik „intakt“

Löw will seinen Weg durchziehen

Archivartikel

Köln.Joachim Löw geht ungeachtet von Arroganz-Vorwürfen und Taktik-Debatten seinen Weg weiter. Gegen die Schweiz soll „seine“ Nationalmannschaft den ersten Jahressieg in einen Aufwärtstrend verwandeln. „Wir sind überzeugt von unserem Plan, den werden wir durchziehen“, kündigte der Bundestrainer vor der Partie am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Köln an.

Löw möchte anders als beim komplizierten Neustart nach der Corona-Pause im vierten Nations-League-Spiel der Saison neben einer weiteren Entwicklung auch das passende Ergebnis sehen. Deshalb fordert er „Mut und die richtigen Offensivakzente“.

Trotz des 2:1 in der Ukraine wähnen Experten wie Bastian Schweinsteiger und einige Medien den Cheftrainer mit seinen Personal- und Taktik-Entscheidungen in der falschen Spur. Fehlenden Respekt wollte Löw den Kritikern wie Ex-Kapitän Schweinsteiger nicht vorwerfen. „Im Fußball gibt es ja völlig unterschiedliche Meinungen. Unser Verhältnis ist absolut intakt.“ Aber er werde seine wohldurchdachte Linie nicht ändern. „Als dünnhäutig und arrogant würde ich mich nicht bezeichnen. Ich benenne die Dinge so, wie ich sie empfinde“, sagte Löw am Montag deutlich.

Werner wieder fit für Startelf

Gegen die Schweiz will Löw wenig ändern. Eine Steigerung aber soll erkennbar sein: „Ich erwarte in unserem Spiel mehr Präzision.“ Seine Spieler wollen „Dinge, die noch nicht so gut gelaufen sind, einfach besser machen“, sagte Leon Goretzka. Anders als viele Kritiker verwies der Münchner auf die Widrigkeiten, mit denen Trainer und Team nach dem Lockdown zurechtkommen müssten. Man habe „lächerlich wenig“ Zeit, um taktische Systeme und Feinheiten einzustudieren.

Für das dritte Länderspiel innerhalb von sieben Tagen muss Löw erst einmal sehen, ob er die Sieger von Kiew wieder komplett aufstellen kann. Der Leipziger Lukas Klostermann musste wegen Knieproblemen untersucht werden. Sein Vereinskollege Marcel Halstenberg klagte über muskuläre Beschwerden im Adduktorenbereich. Und Julian Draxler von Paris Saint-Germain hat Achillessehnenprobleme. Dafür ist Timo Werner nach einer Erkältung wieder bereit für die Startelf. Der Chelsea-Stürmer war in Kiew nur zu einem Kurzeinsatz gekommen.

TV-Quoten kein Grund zur Sorge

Jubilar Toni Kroos kennt seit der WM 2010 die Diskussionen um das Auf und Ab in der Nationalelf. Auch er brauchte einige Zeit, um sich einen festen Platz bei Löw zu erobern. Nach dem WM-Titel und vier Champions-League-Triumphen verkündete er mal – aber ohne Vorwürfe der Arroganz zu ernten: „Es wird in diesem Fußballerleben keiner mehr hinkriegen, dass ich Selbstzweifel habe.“ Dass Kroos der EM-Sieg in seiner Titelsammlung noch fehlt, könne für seine Mitspieler noch zu einem Trumpf werden, bemerkte Goretzka am Montag.

Die Spieler und Löw wissen, dass bei einem Rückschlag gegen die Schweiz die auf die EM ausgerichteten Maßnahmen wieder kritischer hinterfragt werden. Die Fans wollen attraktiven und erfolgreichen Fußball sehen.

Löw sieht die zuletzt deutlich gesunkenen Fernsehquoten aber noch nicht als Warnsignal: „Es war immer zwischen den Turnieren festzustellen, dass das Interesse an der Nationalmannschaft – vor allem bei Testspielen – ein bisschen schwindet.“ Beim nächsten Turnier werde das Team „wieder das Wichtigste im Land sein“.

Die von Bundesligaspielern geprägte Schweizer Auswahl kämpft gegen den Abstieg. Löw erwartet den Nachbarn in Erinnerung an das 1:1 im Hinspiel in Basel „frech und mutig“ und warnte: „Da wird einiges auf uns zukommen.“ 

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