Nationalmannschaft

Fußball Bundestrainer bleibt trotz des 0:1 gegen Brasilien ganz entspannt

Löws große Gelassenheit

Archivartikel

Berlin.Joachim Löw ist nicht dafür bekannt, sich schnell aus der Ruhe bringen zu lassen. Dafür hat der Bundestrainer in seiner Karriere schon zu viel erlebt. Und spätestens seit dem WM-Triumph vor vier Jahren in Rio de Janeiro muss man sich um den Gemütszustand des 57-Jährigen sowieso keine ernsthaften Gedanken mehr machen – erst recht nicht nach einer Testspiel-Niederlage. Und so nahm Löw das 0:1 (0:1) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Brasilien mit einer großen Portion Gelassenheit zur Kenntnis, obwohl die Leistung gegen die Südamerikaner alles andere als weltmeisterlich war. „Mir bereitet das keine Sorgen“, sagte der Bundestrainer und wollte die Leistung nicht weiter dramatisieren. Vielmehr lehnte er sich ganz entspannt in seinem Stuhl zurück. Ganz so, als wolle der Coach demonstrieren, dass er alles unter Kontrolle habe und es keinen Grund zur Beunruhigung gebe. Um seine Lockerheit zu unterstreichen, legte er nach einer kurzen Denkpause noch nach: „Mir bereitet kaum etwas Sorgen.“

„Werden uns steigern“

Löw sagte das mit der Überzeugung eines Mannes, der über den Dingen steht, der stets das große Ganze im Blick hat und uneingeschränkt an die Qualitäten seines Teams glaubt. Und so saß er da oben auf dem Podium und stellte nüchtern fest: „Ich weiß, zu was diese Mannschaft fähig ist, was wir können und welche Mentalität wir haben.“ Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gab er sogar noch ein Versprechen: „Sie können sicher sein, dass wir uns steigern werden.“ Er hätte auch sagen können: Gemach, gemach, es gibt keinen Grund zur Panik. Ich habe alles im Griff.

Genau davon kann Fußball-Deutschland trotz des 0:1 gegen Brasilien auch erst einmal ausgehen. Vor allem angesichts dessen, was der Bundestrainer in den vergangenen Jahren geleistet hat: So einem Mann vertraut man ganz einfach. Gleichwohl wird Löw in den nächsten Wochen mit Interesse verfolgen, wer sich denn tatsächlich als würdig erweist, den Adler beim Turnier in Russland auf der Brust zu tragen. Und er wird darauf achten, wer sich die mahnenden Worte von Jerome Boateng und Toni Kroos zu Herzen genommen hat.

Der Kritik des Abwehrchefs nach dem 1:1 gegen Spanien folgte nun die Ansage des Mittelfeldmannes. „Wir sind nicht so gut, wie uns immer eingeredet wird. Wir sind nicht der absolute Favorit, der nach Russland fährt. Das war vorher Quatsch und ist auch jetzt Quatsch. Aber vielleicht gibt es jetzt ein paar mehr, die das auch so sehen“, sagte der Star von Real Madrid und ließ die personellen Wechselspiele im Test gegen Brasilien nicht als Ausrede für den schwachen Auftritt gelten: „Natürlich ist es schwierig mit vielen Umstellungen, aber jeder ist auch für sich verantwortlich, dass er sein Bestes gibt. Heute hatten einige Spieler die Chance sich zu zeigen, haben es aber nicht getan. Ich habe von allen mehr erwartet. Da ist noch eine Menge Luft nach oben.“

In der Wohlfühloase Nationalmannschaft, die gerade auch wegen des guten Binnenklimas in den vergangenen Jahren so erfolgreich war, gibt es also durchaus ein paar Reibungspunkte. Aber Boateng und Kroos dürfen Missstände ansprechen. Die zwei Führungsspieler sind über jeden Zweifel erhaben und ihre Einschätzungen vom Bundestrainer sogar ausdrücklich erwünscht. Auch er weiß: Die Kritik wird den Konkurrenzkampf bis zur vorläufigen Kadernominierung am 15. Mai noch einmal verschärfen – und genau das ist ganz im Sinne von Löw, der in Berlin anders als Kroos die Umstellungen durchaus als Erklärung für den ungewohnt tempo- und kreativlosen Auftritt durchgehen ließ.

Es gibt keine erste Elf

„Wir haben sehr viele Wechsel vollzogen – und dann ist es nicht einfach“, sagte der 57-Jährige und verwies darauf, dass es derart krasse Personalrochaden während eines Turniers natürlich nicht geben werde. „Dort geht es dann eher um punktuelle Wechsel. Es ist immer einfacher, in ein Gesamtgefüge zu kommen. Diesmal hatten wir Mats Hummel, Sami Khedira und Mesut Özil nicht dabei. Diese Spieler können in schwierigen Situationen den Unerfahrenen helfen“, sagte der Bundestrainer und meinte mit Blick auf den deutlichen Qualitätsunterschied zwischen den Auftritten gegen Spanien und Brasilien: „Es wäre vermessen zu sagen, dass es zwei gleichstarke Mannschaften geben kann.“

Allerdings legt er Wert auf die Feststellung, dass es keine erste Elf gibt. Das wiederholte er noch einmal in der Hauptstadt. Soll heißen: Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, kann sich kein Profi sicher sein und muss sich angesichts der riesigen Auswahl an erstklassigen Spielern stets neu bewiesen. Für einen Trainer gibt es zweifelsohne nichts Schöneres – was Löws Gelassenheit umso mehr erklärt.

Info: Fotostrecke und Video unter morgenweb.de/fussball

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