Nationalmannschaft

Fußball Mit großem Kader in den Länderspiel-Dreierpack

Löws maximale Vorsicht vor der Nominierung

Archivartikel

München.Von entspannten Fußballabenden im Fernsehsessel kann bei Joachim Löw (Bild) in diesen Tagen keine Rede sein. Der Bundestrainer schreckt garantiert jedes Mal auf, wenn ein Nationalspieler nach einem Zweikampf mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen liegen bleibt. Vor der Bekanntgabe seines Mammutkaders für den als „grenzwertig“ bezeichneten Länderspiel-Dreiakter Anfang Oktober in Köln gegen die Türkei, in der Ukraine und wieder in Köln gegen die Schweiz wollte der 60-jährige Löw darum auch lieber noch das Supercup-Finale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund abwarten. Das Aufgebot gibt’s erst am Freitag.

Den DFB-Chefcoach erreichten aber schon zuvor unerfreuliche Nachrichten. Die letzte kam von seinem einstigen Assistenten Hansi Flick. Leroy Sané fällt beim FC Bayern mit einer Kapselverletzung am rechten Knie, an dem der Flügelstürmer erst vor einem Jahr einen Kreuzbandriss erlitten hatte, mindestens zwei Wochen aus.

Auch hinter Toni Kroos steht ein Fragezeichen. Der 30-Jährige pausiert bei Real Madrid wegen einer Muskelblessur am Gesäß. „Das kommt jetzt auf die Entwicklung an, wie es von Tag zu Tag besser wird“, sagte Kroos. Zudem befindet sich Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan nach einem positiven Corona-Test noch in Quarantäne.

Löw ist also wieder zum Improvisieren gezwungen. Beim mäßig gelungenen Neustart gegen Spanien (1:1) und die Schweiz (1:1) hatte er zuletzt auf die Bayern-Stars Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Leon Goretzka sowie die Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg verzichtet. Das Sextett sollte sich von den Champions-League-Strapazen erholen.

Sie kehren nun zurück, dazu vielleicht auch Marco Reus. Löws Plan lautete so: „Ich möchte sehen, dass die Mannschaft im Oktober, November gewisse Schritte geht.“ Notgedrungen muss das nun ohne Sané geschehen – vielleicht auch ohne Kroos und Gündogan.

Suche nach der passenden Formel

Der Bundestrainer sucht die passende Kader-Formel: „Zwangsläufig muss der Kader größer sein“, hatte er angekündigt. 25, 26 oder 27 Spieler könnte Löws Antwort für drei Partien in sieben Tagen lauten. „Die Spieler haben ein Hammerprogramm vor sich. Da kann ich nicht drei Spiele über 90 Minuten bestreiten.“ Löw muss ein Spagat zwischen Spielerwohl und DFB-Zwängen gelingen. Für den Verband ist in Corona-Zeiten jedes Länderspiel finanziell wertvoll. Löw denkt vor allem an die in 2021 verschobene EM: „Alles sollte beim Verband, einer Mannschaft, einem Trainer auf die Turniere ausgerichtet sein.“