Nationalmannschaft

Fußball Der Nationaltorhüter präsentiert sich beim 2:0 gegen Weißrussland in Topform / Am Dienstag gegen Estland in Mainz

Neuer weckt Erinnerungen an Brasilien

Archivartikel

Mainz.Der Torwart-Libero Manuel Neuer ist zurück. Der Kapitän interpretiert seine Rolle im Fußball-Nationalteam wieder so offensiv und energisch wie beim WM-Triumph vor fünf Jahren in Brasilien. „Man sieht, dass er Selbstvertrauen hat, dass er Bock hat zu spielen. Das tut uns als Mannschaft sehr gut“, sagte Auswahl- und Bayern-Kollege Joshua Kimmich über Neuers zurückerkämpfte Qualitäten. „Ich kenne ihn ja, er spielt gerne mit, ist froh, wenn er Aktionen hat. Und er ist auch bereit“, kommentierte Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff den Auftritt des Münchners beim 2:0 in Weißrussland.

Neuer ist bereit, beim Wandel im DFB-Team voranzugehen und seinen Platz zu verteidigen. „Ich will als Sportler natürlich immer auf dem Platz stehen“, erklärte Neuer selbst. Mit seinen spektakulären Aktionen in der futuristischen Borissow-Arena setzte der 33 Jahre alte Münchner klare Zeichen: Nach zwei Verletzungspausen wegen eines lädierten Daumens und einer Wadenblessur in der Rückrunde dieser Saison ist er zurück in einer Form, die wieder an seine starken Vorstellungen von 2014 in Brasilien erinnert. Und er hat den Konkurrenzkampf mit Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen (27) angenommen, der seinen Anspruch auf einen Stammplatz im DFB-Team schon mehrfach angemeldet hat.

Das gewagte Dribbling von Minsk

Neuer wird auch im EM-Qualifikationsspiel in Mainz gegen Estland im Tor stehen. Der Kapitän sei ein „Faktor der Stabilität“ und werde das Team damit auch am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) als Kapitän anführen, sagte Trainer Marcus Sorg. Eine größere Rotation werde es im Vergleich zum 2:0 in Weißrussland nicht geben, aber schon „die eine oder andere Veränderung“. Sorg warnte davor, gegen die noch punktlosen Esten bereits im Vorfeld nur über die Höhe des Erfolges zu sprechen. „Wir tun gut daran, erst über den Sieg nachzudenken und dann über das Ergebnis. Man muss die Esten erst einmal knacken“, sagte Sorg, der erneut den fehlenden Bundestrainer Joachim Löw als Chef ersetzt.

In Weißrussland verfolgte der Torwart das Offensivspiel seines Teams in Weißrussland häufig an der Mittellinie (!). Er lief einige Konterversuche des Gegners wie ein Abwehrspieler ab. Und er sorgte mit zwei Aktionen für heiße Diskussionen. Erst entschärfte Neuer die erste und einzige gefährliche Aktion des krassen Außenseiters mit einer grandiosen Parade. Dann bat der Kapitän zum Tänzchen an der Eckfahne. Er nahm dem weißrussischen Stürmer Juri Kowalew den Ball ab, schlug zwei, drei Haken und leitete den nächsten Angriff ein. „Im Prinzip wollte ich nicht dribbeln. Aber ich hatte keine direkte Anspielmöglichkeit, deshalb habe ich nochmal aufgezogen“, beschrieb Neuer die Soloeinlage in seinem 87. Länderspiel. „Beim zweiten Mal war immer noch niemand da gewesen. Dementsprechend hat sich das einfach so ergeben“, ergänzte der Torwart.

„Ich habe einiges gelernt von meinen Mitspielern in der Vergangenheit. Da konnte ich mir einiges abschauen“, sagte der Handarbeiter zu seinen Fähigkeiten mit den Füßen. „Er könnte bei uns auch auf der Sechs oder ein bisschen weiter vorne spielen. So kreativ, wie er hinten rumgeschnickt hat“, meinte Kimmich.

Vor der blamablen WM 2018 hatte der gebürtige Gelsenkirchener viel mit den eigenen Verletzungsproblemen zu tun. Der Kapitän konnte sich parallel kaum um das Innenleben des Teams kümmern. Jetzt sieht das wieder anders aus. Neuer will vorangehen, damit der personelle Umbruch „möglichst schnell“ gelingt: Den wichtigen Faktor hat auch sein junger Bayern-Kollege Kimmich erkannt: Ein starker Neuer strahlt auf das gesamte Team ab. dpa

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