Nationalmannschaft

Fußball-Länderspiel Manuel Neuer feiert trotz 1:2-Niederlage gegen Österreich gelungene Rückkehr als Kapitän und Torwart

Noch viel Arbeit für Löw

Archivartikel

Eppan/Klagenfurt.Ohne die Besten geht es nicht – und Manuel Neuer zählt wieder dazu. Diese zentralen Botschaften nahm Joachim Löw nach dem ernüchternden 1:2 (1:0) gegen die bei der WM fehlenden Österreicher mit in den Aufarbeitungs- und Entscheidungs-Sonntag in Südtirol. Die wichtigste Frage war für den Bundestrainer und seinen Stab im Grunde vor dem abschließenden Gespräch gelöst. Kapitän Neuer trotzte bei seinem Wettkampf-Comeback nach acht Monaten allen Widrigkeiten. „Für Manuel war es nach so langer Zeit ein sehr zufriedenstellendes Comeback“, sagte Löw: „Man hat ihm die Pause nicht angemerkt.“

Die zweite zentrale Erkenntnis aus Österreich lautet: Löw muss die Weltmeister um Thomas Müller, Toni Kroos, Mats Hummels, Jérôme Boateng und Torschütze Mesut özil in Russland noch einmal auf Top-Niveau hieven, um die WM-Titelverteidigung verwirklichen zu können. Denn wenn sein Team so spielt wie ohne vier Champions von 2014 in Klagenfurt, „haben wir keine großen Chancen“, räumte Löw vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Eppan selbst ein. Von Alarmstimmung zwei Wochen vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko hält er aber nichts: „Das lässt mich jetzt keine schlaflosen Nächte verbringen.“ Die zweite Reihe um Ilkay Gündogan, Sebastian Rudy, Julian Brandt, Leroy Sané oder Leon Goretzka lieferte nach Blitz, Starkregen und Hagel im Wörthersee-Stadion keine Argumente für WM-Vertrauen. „Alle waren von ihren Möglichkeiten weit entfernt“, bemerkte Löw.

Ein weiterer Innenverteidiger wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu den vier Akteuren gehören, die heute von Löw im Hotel Weinegg in sein Trainerzimmer bestellt werden, um die Nachricht vom WM-Aus zu erhalten. „Ich habe alles gegeben. Ich habe mich gefreut, überhaupt dabei zu sein“, sagte Jonathan Tah und verabschiedete sich damit gedanklich bereits. Gegen Österreich kam der Leverkusener wie Matthias Ginter (Mönchengladbach) und Marvin Plattenhardt (Hertha) nicht zum Einsatz.

Müller hakt Erdogan-Thema ab

Stürmer Nils Petersen gehört trotz seines ersten Länderspiels und Startelf-Einsatzes ebenfalls weiter zu den Streichkandidaten, wie der Freiburger selbst einschätzt. „Jeder für sich in der Mannschaft weiß, ob er sicher dabei ist oder ein Wackelkandidat ist“, sagte der 29-Jährige. Auch Rudy, Brandt, Ginter oder Goretzka können sich nicht sicher sein. Bei den Torhütern wird es Bernd Leno oder Kevin Trapp treffen, falls es bei Neuer keine gewaltige Überraschung mehr gibt.

Im Team aber gibt es keine Zweifel mehr an Neuers Tauglichkeit als WM-Keeper Nummer 1. „Ich habe Manu seit zehn Tagen beobachten können. Mein persönlicher Eindruck ist, er ist zu hundert Prozent fit“, bestätigte Sami Khedira.

Auch die Diskussion um Mesut Özil und Ilkay Gündogan und ihren umstrittenen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hält zwei Wochen vor dem WM-Auftakt der Fußball-Nationalmannschaft an. In Österreich gab es aus dem deutschen Fanblock vereinzelt Pfiffe gegen die DFB-Profis. „Wir sind ja nicht taub. Das bekommt man mit“, sagte Sami Khedira nach dem 1:2 in Klagenfurt.

Bayern-Profi Thomas Müller betonte die sportliche Bedeutung des Duos Gündogan/Özil. „Wir stehen absolut hinter den beiden, sie sind ein wichtiger Teil unseres Teams. Für uns ist das Thema nun abgehakt“, sagte Müller in der „Welt am Sonntag“.

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