Nationalmannschaft

Fußball Nils Petersen statt Sandro Wagner im vorläufigen WM-Kader / Mario Götze nicht dabei und Vertrauen in Manuel Neuer

Tag der Überraschungen

Dortmund.Erst wurde der Weltmeistercoach überraschend mit einem Vertrag bis fast zur Rente ausgestattet, dann verblüffte Joachim Löw mal wieder mit spektakulären Entscheidungen. Mario Götze, der Finaltorschütze von Rio 2014, darf beim WM-Turnier vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland nicht mitspielen. Auch Bayern-Profi Sandro Wagner wurde ausgebootet. Dafür reist am 23. Mai der Freiburger Länderspiel-Neuling Nils Petersen mit ins Trainingslager. Auch der seit September des Vorjahres verletzte Kapitän Manuel Neuer bekommt im zunächst noch 27-köpfigen Aufgebot des Titelverteidigers in Südtirol die Chance, seine WM-Fitness doch noch nachzuweisen.

„Mein Job als Bundestrainer ist es manchmal, Träume platzen zu lassen und harte Entscheidungen zu treffen. Es ist nie gegen einen Spieler, sondern immer im Sinne der Mannschaft und des Gesamterfolges“, sagte Löw zu seiner im Detail doch überraschenden Auswahl, mit der er an die Tradition früherer Turniere anschloss. „Mitunter entscheiden Kleinigkeiten“, betonte der 58-Jährige. Der DFB unterstrich am Dienstag im Fußballmuseum in Dortmund die große Wertschätzung für Löw und verlängerte den Kontrakt mit ihm vorzeitig um weitere zwei Jahre. „Der Planungshorizont von einer WM zur anderen ist ideal“, sagte der DFB-Chefcoach zu seiner weiteren Aufgabe bis Katar 2022.

„Grenzen einreißen“

Am Tag der großen Überraschungen bekam neben Löws Assistenten Andreas Köpke, Thomas Schneider und Marcus Sorg (alle bis 2022) auch Manager Oliver Bierhoff ein Geschenk. Der DFB-Direktor und Initiator der neuen Fußball-Akademie in Frankfurt bleibt bis mindestens 2024. Er sehe keine Abnutzungserscheinungen bei der Sportlichen Leitung, sagte DFB-Präsident Geinhard Grindel. „Es ist ein Team, das nie satt ist.“ Die langfristige Verlängerung sei „mit der Verpflichtung verbunden, die Nationalmannschaft weiter zu entwickeln, Grenzen einzureißen, um noch besser zu werden“, sagte der langsam lebenslange Bundes-Jogi.

Das soll schon bei der „großen Herausforderung“ in Russland gelingen, in die zunächst ein Aufgebot mit neun Weltmeistern von 2014 und 14 Confed-Cup-Siegern von 2017 startet. Am 4. Juni muss Löw seinen endgültigen WM-Kader mit dann noch 23 Akteuren benennen. Es wird ein spannendes Ausleseverfahren, dem sich neben dem olympischen Silbermedaillengewinner Petersen und dem ebenfalls überraschend berufenen Leverkusener Jonathan Tah auch Kapitän Neuer stellen muss. Tah absolvierte im November 2016 sein letztes von drei Länderspielen.

Welttorhüter Neuer wird mit den anderen Keepern nach Eppan reisen. „Wir wollen uns selbst ein Bild machen“, sagte Löw. Am Tag der Kaderbekanntgabe trainierte Neuer nach einem dritten Mittelfußbruch beim FC Bayern erstmals wieder komplett mit dem Team. Und auch im Trainingscamp soll er voll belastet werden. Rund um das Testspiel am 2. Juni in Klagenfurt gegen Österreich wollen sich Trainer und Kapitän zusammensetzen und ehrlich analysieren, ob es für die WM reicht. Löw stellte eine klare Bedingung: „Ohne Spielpraxis in ein WM-Turnier zu gehen, ist schier unmöglich.“

Ob Neuer bei positivem Verlauf am 12. Juni als Nummer 1 nach Russland fliegen würde, wollte Löw 33 Tage vor dem ersten WM-Spiel gegen Mexiko nicht beantworten. Bei Neuers Clubkollegen Jérôme Boateng, der ebenfalls noch im Aufbautraining steht, sieht der Bundestrainer keine Probleme.

Für Löws Überraschungsspieler Nummer eins ist schon die Berufung in den erweiterten Kader die „Krönung der Saison“. Der 29 Jahre alte Petersen hat sich mit 15 Saisontoren – damit ist er bester deutscher Bundesligatorjäger – bei Löw empfohlen. „Ich habe damit nicht wirklich gerechnet und bin sehr dankbar“, bemerkte der Stürmer. „Er ist ein sehr guter Joker“, hob der Bundestrainer Petersens große Qualität hervor. Löw hatte dabei wohl auch die EM 2016 im Kopf, als ihm im mit 0:2 verlorenen Halbfinale gegen Frankreich wegen einiger Ausfälle keine offensiven Optionen blieben.

Wie Stürmer-Kollege Wagner bleibt Götze nur die Zuschauerrolle. „Es war nicht unbedingt seine Saison, in der er die Form zeigen konnte, die er normalerweise bringen kann“, sagte Löw über Götze. „Ich hoffe, dass er wiederkommt. Es tut mir für ihn persönlich leid. Das Gleiche gilt für Sandro Wagner. Da haben Kleinigkeiten entschieden.“ Gegen Wagner und für Petersen sowie den turniererprobten Mario Gomez. Marco Reus dagegen spielt nach viel Verletzungspech für Löw eine wichtige Rolle: „Er steht bei uns für außergewöhnliche Dinge“, sagte er über den bisherigen Turnierpechvogel.

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