Nationalmannschaft

Fußball Der Leipziger Angreifer will im Heimspiel gegen Russland viel positive Stimmung ins DFB-Team tragen

Timo Werner – eine feste Größe

Archivartikel

Leipzig.Der Liebling der Leipziger Schüler war leicht zu erkennen. Timo Werner hatte beim ungewöhnlichen Ortstermin der Nationalspieler in der 94. Oberschule am Dienstag ein Heimspiel. Bei den rund 200 Schülern war sein Autogramm besonders gefragt. „Es ist etwas ganz Besonderes, hier in Leipzig spielen zu dürfen. Hier bin ich zum Nationalspieler geworden. Daran haben auch die Fans einen großen Anteil“, sagte der RB-Angreifer vor dem Testländerspiel der Nationalmannschaft gegen Russland am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in seiner Fußball-Heimat.

Werner ist eine fixe Größe von Bundestrainer Joachim Löw beim Neuaufbau nach dem WM-Desaster – obwohl ihm weder in Russland noch in den Länderspielen der laufenden Saison ein Tor gelang. „Ich hoffe, dass er so weitermacht. Die Bissigkeit und die Entschlossenheit soll er sich auf jeden Fall beibehalten“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff beim Schultermin.

Richtig gut in Form

Zum Nationalteam kommt Werner mit guter Laune. Bei RB ist der 22-Jährige richtig in Form. Mit sechs Ligatoren hat er seinen Anteil am Sprung der Leipziger auf Platz drei. Die positive Grundstimmung soll sich nun auf die DFB-Auswahl übertragen. „Es läuft ganz gut bei uns und ich hoffe, dass wir das in die Nationalmannschaft mitnehmen können“, sagte Werner, als er als einer der letzten DFB-Akteure zum Treffpunkt im Teamhotel unweit des Leipziger Bahnhofs gekommen war.

Werner ist Spezialist für seine persönlichen Heim-Länderspiele. Seinen letzten Tore-Doppelpack für Deutschland erzielte er im September 2017 beim furiosen 6:0 in der WM-Qualifikation gegen Norwegen in seiner Geburtsstadt. „Mein letztes Heimspiel in Stuttgart war nicht so verkehrt“, erinnerte er sich. Die Fans in Schwaben bejubelten damals seine Tore, nachdem er zuvor wegen einer vieldiskutierten Schwalbe im RB-Trikot immer wieder bei Länderspielen ausgepfiffen worden war.

Als negative Projektionsfläche für Kritiker des RB-Projekts taugt Werner nicht mehr. Sportlich verwurzelt fühlt er sich in Sachsen ohnehin – auch wenn Leipzig „keine Metropole ist“, wie er mit einem Lächeln bemerkte. „Von daher freue ich mich, vor den Fans zu spielen, bei denen ich viele Erfolge feiern konnte, in der Stadt, die mich zum Nationalspieler gemacht hat.“

Das WM-Jahr war für den schnellen Angreifer auch ein Rückschritt im Nationalteam. Als Torschützenkönig beim Confed Cup 2017 wurde ihm ein kometenhafter Aufstieg prophezeit. 2018 gelang im DFB-Trikot bislang aber nur ein Treffer – im Juni beim 2:1 gegen Saudi-Arabien. Löw schließt Werner mit ein, wenn er seinen behutsamen Neuaufbau erklärt. „Junge Spieler wie Timo Werner, Leroy Sané, Julian Brandt oder Joshua Kimmich haben gute Voraussetzungen. Aber man sollte ihnen auch ein wenig Zeit geben zu reifen.“

Den Neuaufbau bewertet Werner positiv. Mit Sané und Serge Gnabry bildete er beim 1:2 in Paris gegen Frankreich im Oktober den gelobten Turbo-Sturm – dem Symbol der Hoffnung auf bessere Zeiten. Werner agierte dabei über die rechte Außenbahn, im Sturmzentrum hatte er zuvor zu überhastet agiert und viele gute Chancen vergeben. „Ich glaube, dass eine neue Mischung hereingekommen ist, gerade durch das Frankreich-Spiel, wo viele Junge gespielt haben, wo wir auch gut zusammengespielt haben“, sagte Werner.