Nationalmannschaft

Fußball Obwohl Bundestrainer Joachim Löw weiter im Amt ist, hat die Nachfolge-Debatte schon Fahrt aufgenommen / Ein Überblick

Traumlösung ist fest vergeben

Mannheim.Das 0:6-Desaster in Spanien wird nachwirken. In der langen Länderspielpause dürfte die Debatte um die Zukunft von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw ein treuer Begleiter des DFB sein. In der ersten Analyse von Präsident Fritz Keller fiel der Name Löw nicht, dies ließ Raum für Spekulationen. Darf der seit 14 Jahren amtierende Chefcoach bis zur EM weitermachen oder nutzt der DFB die Zeit bis zum nächsten Länderspiel Ende März doch für einen Wechsel? Und wer könnte das Amt überhaupt übernehmen? Löws Vertrag läuft zwar noch bis zur Katar-WM Ende 2022, doch realistischer erscheint zurzeit eher ein Abschied spätestens nach der EM 2021. Wir stellen die Nachfolge-Kandidaten vor und bewerten ihre Bundestrainer-Tauglichkeit.

Jürgen Klopp

Der Liverpooler Meistertrainer gilt als die Traumlösung – nicht nur wegen seiner großen Qualitäten als Fußballlehrer, sondern auch weil er als Menschenfänger mit hohen Sympathiewerten einen echten Stimmungsumschwung in der Fußball-Republik initiieren könnte. Um das ramponierte Image der Nationalmannschaft aufzupolieren, gäbe es wohl keinen Besseren als Klopp mit seinen Entertainer-Qualitäten. Der Haken: Der frühere Dortmunder Coach ist noch bis 2024 an Liverpool gebunden, wo er nach dem Triumph in Champions League und Meisterschaft Heldenstatus genießt.

Ralf Rangnick

Der ehemalige Hoffenheimer Coach wird als schnelle Lösung für das Amt des Bundestrainers genannt. Der 62-Jährige ist derzeit ohne Job, als Fachmann anerkannt, ist aber älter als Löw (60) und kann kaum als glaubwürdiges Gesicht für einen Neuanfang herhalten. Seine Arbeit für den bei vielen Fans verhassten Emporkömmling RB Leipzig mindert die Chancen des Schwaben zusätzlich. Sein Interesse am Posten des Bundestrainers hat Rangnick mehrfach hinterlegt, zugleich aber darauf verwiesen, dass sich wegen Löws laufenden Vertrages die Frage zurzeit nicht stelle.

Hansi Flick

Der Triple-Gewinner mit dem FC Bayern war beim WM-Titel 2014 Löws Assistent und spielte eine entscheidende Rolle im Hintergrund – nicht nur beim Einüben von Standardsituation, wie oft kolportiert wird. Der Spielerversteher aus Bammental hat im vergangenen Jahr einen beeindruckenden Aufstieg zum international anerkannten Top-Trainer hingelegt. Die „Sport Bild“ sieht ihn schon als „Schatten-Bundestrainer“, beim DFB soll Flick ganz oben auf der Wunschliste stehen. Aber ob der Bayern-Coach die Münchner Erfolgsmaschine verlassen will, erscheint äußerst fraglich.

Thomas Tuchel

Als ein Außenseiter-Kandidat gilt Thomas Tuchel, der bei Paris Saint-Germain durch den Dauerzwist mit Sportchef Leonardo ermüdet ist. Ob der 47-Jährige über sein Vertragsende 2021 hinaus bei PSG arbeiten darf, ist derzeit ungewiss. Taktik-Genius Tuchel könnte also nach der EM frei sein, gilt aber als schwieriger Charakter und bekäme wohl keinen großen Vertrauensvorschuss.

Julian Nagelsmann

Der 33-Jährige ist der Höchstbegabte unter den deutschen Trainern und hat mit Leipzigs Halbfinaleinzug in der Champions League bewiesen, dass er auch für die ganz große Bühne mittlerweile gerüstet ist. Ob Nagelsmann, der auf seiner nächsten Station wahrscheinlich bei einem europäischen Topclub landen wird, aber in immer noch sehr jungen Jahren der Bundestrainer-Job reizen würde? Eher unwahrscheinlich.

Stefan Kuntz

Eine Beförderung des mit der U 21 erfolgreichen Saarländers (58) wäre die DFB-interne Lösung. Aber viel Kredit hätte Kuntz nicht bei Öffentlichkeit und Fans. Der frühere FCK-Boss ist höchstens als Mann des Übergangs denkbar, bis ein Wunschkandidat verfügbar ist.