Nationalmannschaft

Fußball Bayern-Ersatztorwart für die Länderspiele gegen Weißrussland und Estland nominiert / Co-Trainer Sorg in der Verantwortung

Überraschung mit Ulreich

Archivartikel

Berlin.Das alternativlose Ziel für den Saisonabschluss hatte Joachim Löw schon vorgegeben, bevor er krankheitsbedingt seinen Job an Marcus Sorg abgeben musste. „Alles andere als sechs Punkte wären eine Enttäuschung“, formulierte der wegen einer Arterien-Quetschung in einer Klinik behandelte Bundestrainer mit Blick auf die Partien zwei und drei der Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation. Sorg, bisher als Löws Co-Trainer vor allem als beobachtender Tribünen-Adler in der Öffentlichkeit bekannt geworden, muss nun als Jogi-Ersatz am Samstag in Borissow gegen Weißrussland und drei Tage später in Mainz gegen Estland den Sechs-Punkte-Auftrag erfüllen.

Der Ersatz-Bundestrainer steht vor einer ungewohnten Aufgabe und den zugleich verantwortungsvollsten Tagen seiner Trainerlaufbahn: Der 53-Jährige, der früher einmal für den VfR Mannheim stürmte, muss im Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit nicht nur seinen erkrankten Vorgesetzten ersetzen, sondern ein wenig auch aus der eigenen Haut schlüpfen. Seit ihn Löw im März 2016 in seinen Stab holte, genoss der gelernte Diplom-Ingenieur für Grundlagen- und Bauphysik eher den Schatten des Bundestrainers. Er brauche keinen Prominentenstatus, sagte Sorg einmal bescheiden über sich selbst. Als Mensch aus Baden-Württemberg sei er einfach „ein wenig reservierter“.

Jetzt muss der in Ulm geborene Sorg die Stars nach einer langen Saison nochmals motivieren und auf ein Toplevel bringen, obwohl die letzten Wettkämpfe für die meisten Spieler schon mehr als zwei Wochen zurückliegen. Der DFB hat deshalb ein Kurz-Trainingslager bis zum Freitag in den Niederlanden organisiert. Dort war die DFB-Auswahl gegen den stärksten Gegner in der EM-Quali Ende März mit einem 3:2-Erfolg gestartet. Gegen die Außenseiter Weißrussland und Estland soll der Aufschwung beim deutschen Team nun untermauert werden.

Zum Treffpunkt am Sonntag im Hotel „De Bovenste Molen“ in Venlo war kurzfristig auch Bayern-Ersatztorwart Sven Ulreich eingeladen worden. Erstmals überhaupt ist der ehemalige Stuttgarter im A-Kader dabei. Der 30-Jährige ersetzt im DFB-Torhüterpool den am Daumen verletzten Bernd Leno vom FC Arsenal – eine überraschende Entscheidung. „Wenn er in dieser Saison gebraucht wurde, war er da und hat beim FC Bayern Top-Leistungen gezeigt. Das ist eine große Qualität“, meinte Torwarttrainer Andreas Köpke. Neben Leno fehlen die angeschlagenen Toni Kroos, Marc-André ter Stegen und Antonio Rüdiger in Venlo nahe der deutschen Grenze.

Trainingsspiel live im Fernsehen

Im kleinen Stadion De Koel, in dem das deutsche Team seine Übungseinheiten absolviert, ist Sorg schon ab Montag als Moderator, Taktiktrainer und Beobachter gefragt. Mit den seit vergangenem Jahr vom Weltverband erlaubten Hilfsmitteln Headset und Tablet-Computer hatte sich der Löw-Assistent bei der WM in Russland die Spiele der deutschen Elf von der Tribüne angeschaut und seinem Chef von dort berichtet. Es gehe darum, „gewisse Dinge zu sehen, die man von unten nicht erkennen kann“, erläuterte Sorg.

Auch wenn die WM-Mission 2018 in Russland krachend scheiterte und auch der Bundestrainer schwer in die Kritik geriet, ging es weiter mit Löw. Sorg wurde danach sogar zum ersten Co-Trainer befördert. „Wir teilen uns die Aufgaben auf“, hat Sorg einmal zu seinem Job erklärt. An diesem Mittwoch (17.30 Uhr) kann der Zwei-Spiele-Chef Sorg in Aachen bei einem von RTL live übertragenen Übungsspiel zwischen zwei Teams aus seinem Kader schon einmal Löws Job als DFB-Chefcoach proben. dpa