Nationalmannschaft

DFB-Elf II Hinter vorgehaltener Hand gibt es leise Kritik am deutschen WM-Quartier / Kroos freut sich schon auf den Urlaub danach

Watutinki stößt auf wenig Begeisterung

Watutinki.Im Hotelzimmer von Co-Trainer Thomas Schneider lief kein Wasser aus dem Hahn, Offensivkraft Julian Draxler knickte gleich in der ersten Übungseinheit im für die Vorlieben der DFB-Elf nicht kurz genug gemähten Rasen des Trainingsplatzes von ZSKA Moskau um: Am WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Watutinki gab es in den ersten Tagen gleich mehrere Kinderkrankheiten zu beseitigen. Offenbar müssen am in letzter Sekunde fertiggestellten „Recreation complex“, der Heimat des Weltmeisters, sogar noch einige Arbeiten erledigt werden.

Toni Kroos, von seinen Reisen mit Champions-League-Sieger Real Madrid eigentlich ausschließlich Nobelunterkünfte gewohnt, verkniff sich öffentliche Kritik. „Es ist ja normal, dass ein paar Sachen nicht funktionieren, wenn alles neu gemacht wurde. Nach und nach wird es noch in unsere Richtung gedreht“, sagte der deutsche Mittelfeldstar gestern. Das grundsätzliche Gerüst sei jedoch okay, es gebe „nichts zu meckern“, auch der Rasen auf dem Trainingsplatz sei am zweiten Tag ideal gewesen.

Zwischen den Zeilen ist dennoch herauszuhören, dass nach der fast schon zum Titelfaktor verklärten Strandidylle des brasilianischen Campo Bahia vor vier Jahren diesmal keine große Begeisterung über das WM-Quartier südwestlich von Moskau aufkommt. Bundestrainer Joachim Löw, der viel lieber in Sotschi am Schwarzen Meer die DFB-Zelte aufgeschlagen hätte, was letztlich an logistischen Problemen wie einem fehlenden offiziellen Trainingsplatz scheiterte, sprach am Mittwoch leicht despektierlich vom „Charme einer Sportschule“. Auch Kroos zögerte gestern kurz und lächelte, als er gefragt wurde, ob sich unter diesen Bedingungen so etwas wie ein „Geist von Watutinki“ entwickeln könne. „Sportschule ist doch super. Wir sind auch hier, um Sport zu machen“, sagte der 28-Jährige mit Blick auf das Löw-Zitat, um dann diplomatisch-nüchtern zu ergänzen: „Ich finde es hier absolut in Ordnung. Man kann die Zeit verbringen und hat zwei, drei Freizeitaktivitäten, die man unternehmen kann.“

Begeisterung klang auch bei Kollege Jerome Boateng nicht gerade durch. „Wir sind hier, um möglichst lange erfolgreich Fußball zu spielen. Wir fühlen uns alle wohl und können untereinander auch dafür sorgen, dass alles positiv läuft“, meinte der Innenverteidiger. Kroos zog ironisch sogar das Positive aus der eher zweckmäßigen Unterkunft des deutschen Trosses: „So ist die Vorfreude auf einen möglichen Urlaub danach noch größer, wenn man sich selbst aussuchen kann, wo man hinfährt.“

Zum Thema