Nationalmannschaft

Fußball Ilkay Gündogan übernimmt nach einem schwierigen Jahr in der Nationalmannschaft wieder eine Schlüsselrolle

Wichtiger Umbruch-Helfer

Minsk.Vor einem Jahr brach für Ilkay Gündogan fast die Welt zusammen. Der deutsche Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln fühlte sich als Buhmann der Nation. Zwölf Monate später ist der Profi von Manchester City aktiver Umbruch-Helfer im DFB-Team und ein wichtiger Vertreter von Real-Madrid-Star Toni Kroos, dem Bundestrainer Joachim Löw bei den anstehenden EM-Qualifikationsspielen eine Pause gönnt.

„Klar sind wir noch mitten im Neuaufbau. Den jungen Spielern fällt es aber mit jedem Mal leichter, sich ein Stück weiter in die Mannschaft zu integrieren“, sagte Gündogan, der in England eine hervorragende Saison gespielt hat, vor dem Match in Weißrussland am Samstag (20.45 Uhr/live bei RTL). Mit 28 Jahren ist er im Juni 2019 in der jungen Nationalmannschaft plötzlich einer der ältesten Spieler und möchte gern beim „Zurück zur alten Leistungsstärke“ mit anpacken.

Im Juni 2018 hatte das Wort Integration eine ganz irritierende Bedeutung für Gündogan bekommen: Nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammen mit Mesut Özil in London fühlte sich der in Gelsenkirchen geborene Fußballer ungerecht behandelt. Der Besuch wurde heftig kritisiert. „Jetzt so dargestellt zu werden, als seien wir nicht integriert oder würden nicht nach deutschen Werten leben, war für mich ein tiefer Schlag“, sagte er damals.

Zweifel nach Erdogan-Affäre

Anders als Özil, der erst bei seinem Rücktritt aus der Nationalelf auf das heftig debattierte Zusammentreffen und das gemeinsame Foto mit Erdogan reagierte, versuchte Gündogan, seine Beweggründe im Trainingslager vor der WM zu erklären. „Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Deshalb war es auch nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen.“

Genutzt hatte das lange Zeit nichts. Gündogan wurde vor genau zwölf Monaten beim Testspiel in Leverkusen gegen Saudi-Arabien (2:1) von den Fans bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Bei der WM in Russland konnten er und das gesamte Team die mit der Erdogan-Affäre verbundene Unruhe nie ablegen. Nach dem Aus in der Vorrunde plagten Gündogan Zweifel, „ob es jemals wieder so werden kann wie früher“.

Es dauerte bis zum März dieses Jahres. Da gab es für Gündogan beim 1:1 im Testspiel gegen Serbien in Wolfsburg keine Pfiffe mehr, sondern die Kapitänsbinde. In der Halbzeitpause übergab ihm Torhüter Manuel Neuer das schwarz-rot-goldene Stück Stoff mit großem Symbolcharakter.

„Das ist eine kuriose Wende irgendwie nach dem, was in den letzten Monaten alles so passiert ist“, erklärte der Mittelfeldspieler. Wie vor drei Monaten könnte Gündogan auch am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland die Rolle von Kroos übernehmen.

„Ich bin sehr gut drauf“

„Wenn es so kommen sollte, dann freue ich mich natürlich. Wenn ich der Taktgeber sein sollte, versuche ich das so zu erfüllen wie zuletzt bei Manchester City auch“, betonte der Leistungsträger des englische Meisters. Er freut sich auf sein 32. Länderspiel für Deutschland: „Ich habe die Pause sehr gut genutzt. Ich bin gut drauf, das möchte ich auch auf dem Platz zeigen.“