Nationalmannschaft

Fußball Niersbach und Zwanziger vor Gericht

WM-Affäre holt Duo ein

Archivartikel

Frankfurt.Die Affäre um das Sommermärchen 2006 holt den krisengeplagten Deutschen Fußball-Bund mit voller Wucht wieder ein. Die ehemaligen Verbandsbosse Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger müssen sich nun doch auch in Deutschland vor einem Gericht verantworten. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main ließ die Anklage wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung zu. Nach Angaben des OLG drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Auch 13 Jahre nach der Weltmeisterschaft 2006 ist der Skandal weder aufgeklärt noch abgeschlossen und dürfte beim DFB die Diskussion um Gemeinnützigkeit zur Unzeit erneut anfachen: Der größte Sportfachverband steht vor einer Umstrukturierung und der Wahl des designierten neuen Verbandschefs Fritz Keller.

Es bestehe bei insgesamt vier Angeklagten ein hinreichender Tatverdacht, gab das OLG am Montag bekannt. Auch der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und der ehemalige Fifa-Generalsekretär Urs Linsi gehören zu den Beschuldigten. Die Hauptverhandlung findet vor dem Landgericht Frankfurt statt, einen Termin gibt es noch nicht.

Beckenbauer außen vor

Das Oberlandesgericht revidierte damit eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt, das im Oktober 2018 die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgelehnt hatte. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen erfolgreich Beschwerde eingelegt. Das OLG bewertete die Sachlage anders: „Nach vorläufiger Bewertung liegt ein hinreichender Tatverdacht dafür vor, dass die vier Angeklagten im Zusammenhang mit der als Betriebsausgabe ‘Kostenbeteiligung FIFA’Gala 2006’ bezeichneten Rückzahlung eines Darlehens an den Fußballer F.B. in Höhe von 6,7 Mio. Euro im Jahr 2006 eine Steuerhinterziehung bzw. Beihilfe zur Steuerhinterziehung begangen haben“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Der in der Mitteilung des OLG als „Fußballer F.B.“ abgekürzte Franz Beckenbauer gehört beim Verfahren in Frankfurt nicht zu den Beschuldigten. Das OLG geht „nach Aktenlage“ nicht davon aus, dass Geld an Beckenbauer für seine Verdienste um die WM-Vergabe und -Organisation geflossen ist. dpa