Nationaltheater

Musiktheater Mit „Frau ohne Schatten“ kommt eine Inszenierung zurück ins Nationaltheater, die immer noch Gültigkeit hat

Der Feminismus in einer zeitlosen Variante

Es gibt am Ende des Tages gar nicht so viele Inszenierungen, die mit großem Abstand noch erträglich sind. Oft sind es die Versuche, mit ganz konkretem Zeitbezug kurzfristige Brisanz zu schaffen, die schnell verpuffen und ins Museum gehören. Doch hier ist es anders: Gregor Horres, der Regisseur dieser „Frau ohne Schatten“ am Nationaltheater, beschäftigte sich im Rahmen seiner Arbeit zwar stark mit der Aufregung um eine Frau mit Schatten: Eva Herman, die damals mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ (2006) und ihrer These aneckte, der Feminismus sei daran schuld, dass Frauen unter einer unvereinbaren Rollenanforderung litten. Doch Horres, der die Themen Emanzipation und Feminismus in Richard Strauss’ humanistischer Oper roch, machte nicht den Fehler, in die Konkretionsfalle zu tappen, sondern warf ein fantastisch-magisches Musiktheater auf die Bühne.

Und das ist, zwölfeinhalb Jahre nach der Premiere im März 2007, noch fast wie neu, wobei die gesamte Ästhetik von Sandra Meurer (Bühne/Kostüme) schon damals an die coolen Eighties erinnerte. Dennoch: Horres’ Version hat Gültigkeit – selbst in der verlängerten Version von Generalmusikdirektor Alexander Soddy, der in Summe 24 Striche in der Partitur entfernt und damit 20 Minuten Musik mehr zugelassen hat, die zusammen mit Horres szenisch eingearbeitet werden mussten.

Explosionskraft und Schönheit

Mit Erfolg: Der Abend der Wiederaufnahme gerät trotz seiner stolzen Länge von 250 Minuten (inkl. zwei Pausen) alles andere als langatmig. Das liegt zum einen an der Musik und ihrer Interpretation, die den gigantischen „Produktionsapparat“ einer „Komponiermaschine“ (Adorno) zu klanglichen Höhenflügen leitet. Wie schon Axel Kober in der Premiere, so gelingt es dem Orchester auch unter Soddy grandios, die Explosionskraft und ungeheure Schönheit, aber auch die Delikatesse dieser Partitur (die von der Glasharmonika bis hin zu Wind- und Donnermaschine Zauber bereithält) glänzend umzusetzen.

Es liegt aber natürlich auch an den exzellenten Solisten in den großen Partien Kaiserin (Miriam Clark), Färberin (Catherine Foster), Amme (Julia Faylenbogen) und Barak (Thomas Jesatko). Miriam Clarks Kaiserin steuert die bisweilen sehr abrupten Spitzentöne mit schlafwandlerischer Sicherheit und kultivierter Kontrolle an. Bei Thomas Jesatko ist einmal mehr die messerscharfe Diktion und makellose Gestaltung umwerfend. Bei diesem Mann braucht man keine Übertitelung. Und dann sind da Foster und Faylenbogen. Foster hat eruptive Spitzen und treibt die Färberin in schier hysterische Sphären, die – das liegt in der Natur der Sache – durchaus auch mal schriller klingen. Das ist sensationell gut. Auch Faylenbogens dramatischer Mezzo hat als Amme alles zu bieten, zumal sie auch noch die Farbnuancen hat, um die zwielichtige Partie zu charakterisieren. Dagegen wirkt Andreas Hermanns Kaiser etwas emotionslos. In den Spitzen leuchtet das Jugendlich-Heldische zwar auf, dennoch fehlt etwas Seele, Emphase. Insgesamt aber ein großer Opernabend mit großem Finaljubel (wieder am 13.10.: 0621/1680 150).

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