Nationaltheater

Nationaltheater Im Opernhaus läuft ein Test zu Raumklima und Energieverbrauchs an

Ein "Besucher" mit Sensoren

Mannheim.Ein ganz besonderer Besucher nimmt jetzt im Opernhaus des Nationaltheaters Platz. Allerdings kann er weder Arien hören noch sich an Bühnenbildern erfreuen. Sehr sensibel ist "Torsion", so sein Name, aber dennoch. Es handelt sich nämlich um ein hölzernes, mit moderner Technik vollgestopftes Messgerät.

Studenten der Technischen Hochschule Köln haben den hölzernen Theaterbesucher entwickelt. Im Opernhaus platziert wird er vom 15. November bis 8. Dezember. In diesem Zeitraum ist das Nationaltheater Teil eines umfangreicheren Forschungsprojekts der Technischen Hochschule Köln, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und an zehn bis 15 Theatern in Deutschland durchgeführt wird.

Zu heiß oder zu kalt?

Wenn die Energiewende gelingen soll, so die Bundesregierung, müssten die Treibhausgasemissionen sowie der Primärenergieverbrauch stark gesenkt werden. Dabei komme öffentlichen Bauten eine Vorbildfunktion zu. Doch gerade für Theater, die laut Hochschule oft "identitätsstiftende Gebäude zahlreicher Städte" seien, lägen keine Daten vor.

Daher werden in den teilnehmenden Theatern Geräte installiert, die Werte zum Gas-, Wasser-, Wärme, Strom- und Kälteverbrauch aufzeichnen. Zusätzlich wird in den Zuschauerräumen "Torsion" platziert. Die Figur basiert auf den Proportionen des menschlichen Körpers, kann sitzen und stehen. In ihr stecken Sensoren, die - aus Batterien mit Energie versorgt - Luftströmung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und den CO2-Gehalt in Höhe des Kopf- und Fußbereichs messen sowie aufzeichnen.

Allerdings, so schränken die Wissenschaftler ein, gebe es "keine Bedingungen, die von allen Menschen gleichermaßen als behaglich empfunden werden". Zu heiß, zu kalt, zu stickige Luft - da gebe es viele subjektive Faktoren. Daher gibt es parallel eine - anonyme - Besucherbefragung, wozu Fragebögen im untern Foyer ausliegen. Die Beantwortung dauere etwa, heißt es, fünf Minuten. Erfragt wird, was der Besucher für Kleidung trägt, ob er im Nacken oder an den Knöcheln einen störenden Luftzug spürte, wie er Akustik, Sitzkomfort und Klima empfand, ob Müdigkeitsgefühle oder Konzentrationsschwächen aufkamen.

Für das Nationaltheater ist die Teilnahme an dem Forschungsprojekt kostenlos. Ergebnisse sollen unter anderem auch in die Vorbereitungen der bevorstehenden Generalsanierung, die derzeit ab 2020 geplant ist, einfließen.