Nationaltheater

Festlicher Opernabend Puccinis „Madama Butterfly“ überzeugt am Nationaltheater besonders dank der beiden Stargäste Asmik Grigorian und Ricardo Massi

Ein liebender Stern verglüht in Verzweiflung

Nach genau zwei Stunden, 36 Minuten und 14 Sekunden ist es ein Triumph, den ein ausverkauftes Opernhaus im Nationaltheater mit stehenden Ovationen feiert – zuvor ist es das ganz große Drama gewesen, das zwei Stargäste fulminant veredelt haben.

Denn zum Festlichen Opernabend von Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“ hat sich Intendant Albrecht Puhlmann mit Tenor Ricardo Massi und Sopranistin Asmik Grigorian nicht nur zwei Glanzlichter ihres Stimmfachs eingeladen – sie fügen sich auch derart vortrefflich in Wolfgang Blums Traditionsinszenierung, dass hier schon die ersten Minuten zum Genuss geraten.

Was bereits beim Schurken dieses Abends seinen Anfang nimmt. Denn Massi, den sie in Italien liebevoll „il cavaliere“ („den Kavalier“) nennen, präsentiert dem Mannheimer Publikum einen echten Vorzeige-Pinkerton mit persönlicher Kessheit und fern von allen platten Klischees. In schicker Admirals-Uniform und mit strammem Ton zeigt sich ein Dandy, der zweifellos flatterhaft daherkommen mag („In diesem Land ist alles lose“), aber dennoch jedes Herz gewinnt. Man spürt es rasch: Diesem Charmeur kann niemand eine Bitte abschlagen – was auch immer sie koste.

Ein Schicksal, dessen bittere Konsequenz auch die arme Cio-Cio-San bald schon ereilen soll. Und hier beginnt der Zauber des Abends. Denn Asmik Grigorian gelingt es, eine erblühende Schönheit zwischen Sehnsucht und Passion wie eine Rose ganz langsam und behände zu ihrem vollen Glanz zu entfalten. Anfangs führt Grigorian die mädchenhafte Geisha in Kimono und Kanzashi gläsern und fragil über die Bühne, doch mit dem Eheschluss richtet sich eine Frau auf, die mit dem Buddhismus auch alle Bedenken über Bord wirft, um in atemberaubendem Tempo zur amerikanischen Weltbürgerin zu avancieren.

Überragend gespielt

Was insgesamt viel über das Gelingen eines Abends erzählt, an dem vieles zusammenpasst. Marie-Belle Sandis verkörpert eine graziöse Suzuki zwischen Empathie und Hilflosigkeit; Jorge Lagunes verpasst dem Konsul Sharpless unerhört rührende Momente – und auch Benjamin Reiners lässt das Nationaltheater-Orchester mit einem stellenweise überragend gespielten Puccini geradezu leuchten.

Die Königin dieser Stunden jedoch bleibt Asmik Grigorian. Weil sie ihre Madama Butterfly nicht naiv und eindimensional in Liebe verfallen lässt, sondern eine werdende Dame von Anmut und dann aufrichtiger Agonie zeichnet, deren Fatum man sich unweigerlich aussetzt.

Die technische Brillanz, mit der diese Ausnahmesängerin selbst lichteste Arien-Höhen („Un bel di, vedremo“) noch souverän mit Koloraturen verziert, ist das eine – die ungebremste Wucht, mit der sich die stolze Sehnsüchtige vom Lebenssockel stürzt, das andere, was hier beeindruckt. Ihr Ende ist ein Schnitt, der schauerlich-schön wie selten in Erinnerung bleibt. Ein liebender Stern – verglüht in Verzweiflung. Und Hunderte, die tief bewegt in die Nacht entfliehen.