Nationaltheater

Klassik Tenor Joshua Whitener bei der „Begegnung“

Hohe Töne, hohe Bildung, hohe Zuschauerherzen

Die Neugier der „Freunde und Förderer“ auf die neuen Sänger ist ungebrochen. Gut besuchtes Theatercafé also bei der jüngsten „Begegnung“, zumal sich „endlich ein Tenor“ vorstellte, wie der interviewende Opernintendant Albrecht Puhlmann entzückt konstatierte. Aus Missouri kommt der Arztsohn Joshua Whitener, der sich nach dem Musikstudium mit Master- und Doktor-Würden „eine Flugkarte nach Europa“ gekauft und bei einer Agentur vorgesungen hat. Die schickte ihn nach Zwickau, Würzburg und Dortmund, wo ihn unser Operndirektor Marvin Wendt hörte. Und jetzt ist er hier am Mannheimer Nationaltheater, singt im ersten Jahr acht Hauptrollen – ein Traum!

Im heiteren Dialog mit dem gewandten Stichwortgeber Puhlmann plaudert der Sänger über seine junge Familie, die unterschiedliche Qualität von Agenturen, die Probleme, in sechs verschiedenen Produktionen als Tamino einzuspringen – mit in der Handfläche notierten Texten. Er spricht über seine Vorbilder von Alfredo Kraus bis Luciano Pavarotti und von den Wonnen des Belcanto. Die mit Spannung erwartete musikalische Umrahmung geriet diesmal höchst unkonventionell; kein Tamino, Ferrando, Ottavio, wie man es von einem lyrischen Tenor mit Belcanto-Meriten erwartet hätte.

Sehr sauber gesungen

Von Matteo Pirola sorgfältig begleitet, sang Joshua Whitener zum Auftakt „Ah, lève-toi, soleil“ aus Gounods „Roméo et Juliette“ mit erstaunlicher Höhenexpansion und viel Edelmetall im gut geführten Tenor. Zwischendurch erfreute er mit Folksongs aus seiner Heimat: „I Came From Alabama“ und „I Dream Of Jeannie With The Light Brown Hair“. Schließlich noch die den meisten Zuhörern unbekannte Arie „Angelo casto e bel“ aus der gänzlich unbekannten Donizetti-Oper „Il duca d’Alba“. Gleichwohl applaudierten die Opernfreude dem sympathischen Sänger und seinem Begleiter mit spürbarer Begeisterung.