Nationaltheater

Wiederaufnahme „Hänsel und Gretel“ erneut am NTM

Im Gehölz von Liebe und Hass

Als die Ouvertüre zu „Hänsel und Gretel“ erklingt, hat man keine Chance. Man wird förmlich hineingesaugt in den magischen Wald. In den Hain der Spätromantik, in dem der Klassiker spielt. Hinein ins dunkle, sagenumwobene Grün. Die Töne erklingen atmosphärisch dicht, melodisch – und romantisch. Verspielte, teils naive Melodien werden kontrastreich gespielt: Das ist „Hänsel und Gretel“. Eingängig, so dass die Figuren auf der Bühne dazu hüpfen. Arm in Arm. Doch auch so düster, dass die Furcht überhand nimmt.

Denn Musik und Operngesang transportieren die Angst, das Erwarten – und die schier unerträgliche Spannung bis zum Auftritt der Hexe. Die erfasst hier Kinder wie Erwachsene. Die Hexe aber, gesungen von Uwe Eikötter, ist auch tollpatschig gezeichnet. In ihrem roten Kleid, mit ihrer übertriebenen Spielart bringt sie das Publikum zum Lachen. Stampfend, die Hände in die Hüfte gestemmt, stapft sie über die Bühne. Ihr Lachen gibt dem Publikum den Rest. In der Oper von Engelbert Humperdinck überzeugen in Mannheim Hänsel (Shahar Lavi), Gretel (Cornelia Zink) sowie Peter (Thomas Jesatko) und Gertrud (Marie-Belle Sandis) stimmlich. Durchdringende, tief schallende Bariton-Lagen fluten den Raum, kontrastieren den zarten und stellenweise schelmischen Gesang. Das Orchester unter der Leitung von Mark Rohde vollbringt mit dessen Handschrift an diesem Abend ein stimmungsvolles, fantastisch-einfühlsames Werk.

Vitalität und Jugend

Das gelungene Zusammenspiel von Kostüm, Dramaturgie und Bühnenbild zeigt sich auch am Auftritt der Engel. Das Gute und Schützende wird symbolisiert durch helle Farben, besinnliches Schreiten – dramaturgisch ausgeklügelt über die ganze Bühne. Das Publikum wirkt hypnotisiert. Zum Schluss sorgt der Auftritt des Kinderchors für ein Finale voller Vitalität und Jugend. Mit Gänsehautgefühl. Es ist eine Entladung des Guten, die da am Schluss passiert: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht!“, singen die Stimmen hell und klar. Damit schließt sich die Klammer zum Beginn. Man weiß: Das Gute hat gesiegt.

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