Nationaltheater

Nationaltheater Parteiübergreifend deutliche Worte an die Regierung in Stuttgart / Drittel-Lösung für die Generalsanierung angemahnt

Politiker: Land muss 80 Millionen Euro zahlen

Mannheim.80 Millionen Euro, nicht weniger: Politiker aus Mannheim fordern das Land auf, sich an den geplanten Sanierungskosten (240 Millionen Euro) für das Nationaltheater (NTM) zu einem Drittel zu beteiligen – wie Bund und Stadt. Die grün-schwarze Regierung in Stuttgart hat einen Landeszuschuss zugesagt, über die Höhe sei aber noch nicht entschieden (wir berichteten). Nach „MM“-Informationen könnten dies 40 Millionen Euro sein. Ausschlaggebend hierfür könnte laut Eingeweihten sein, dass Stuttgart und Karlsruhe für die Sanierung ihrer Staatstheater die Hälfte bezahlen müssen. Das hieße wiederum: Mannheim zahlt 120 Millionen Euro, das Land stockt die vom Bund (eigentlich vor dem Hintergrund einer Drittelung) zugesagten 80 Millionen auf – um maximal 40 Millionen Euro.

„Gilt das Wort des Ministerpräsidenten oder nicht?“, fragt SPD-Landtagsabgeordneter Stefan Fulst-Blei. Wenn der Bund ein Drittel trage, sei es völlig klar, dass der Rest „halbe halbe“ vom Land und von Mannheim getragen werden muss. „Stuttgart ist in der Pflicht!“, sagte er dem „MM“. Der Bund fördere nicht das Nationaltheater (NTM), damit das Land sich finanziell einen schlanken Fuß mache. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) habe den Bund aufgefordert, sich zu beteiligen, und der Bund habe überraschend geliefert. Nun müsste Stuttgart ebenfalls 80 Millionen Euro zahlen.

Sein Fraktionskollege Boris Weirauch ergänzt: „Jedem in Stuttgart muss klar sein, was auf dem Spiel steht. Mannheim jetzt mit Verweis auf die Staatstheater in Stuttgart und Karlsruhe dringend benötigte Mittel zu verweigern, wäre untragbar.“

Nikolas Löbel, Bundestagsabgeordneter der CDU, sieht Kretschmann „persönlich in der Pflicht“. Er habe in Mannheim und beim Nationaltheater hohe Erwartungen geweckt. „Ich weiß von Gesprächen auf höchster Ebene“, sagte Löbel, ohne konkreter zu werden. Kretschmann stehe also gegenüber der Stadt und dem Bund in der Verantwortung, die Sanierung des Nationaltheaters mit 80 Millionen Euro zu unterstützen.

Johannes Kahrs ist Sprecher der SPD im Haushaltsausschuss des Bundestags. Aus diesem Gremium kam der Antrag auf die Förderung – gemeinsam von SPD und CDU, wie es dort üblich ist. Die Summe (80 Millionen Euro), die der Ausschuss am Nachmittag des 27. Juni zusagte, ist die größte, die Mannheim jemals erhielt. Kahrs kann sich nicht vorstellen, dass die grün-schwarze Landesregierung die Stadt im Stich lasse. „Mannheim hat es verdient, unterstützt zu werden“, sagte er dem „MM“. Dazu gebe es eine moralische Verpflichtung.

Resolution angeregt

Oberbürgermeister Peter Kurz habe seinen Teil getan, der Bund ebenfalls – nun müsse auch das Land ein Drittel beisteuern. „Es ist wichtig, dass es da Gleichheit gibt.“ Druck macht Kahrs auf CDU-Mann Nikolas Löbel: In Stuttgart regiere die CDU mit, also müsse sich Löbel nun anstrengen.

Achim Weizel, Fraktionsvorsitzender der Mannheimer Liste (ML), findet, dass eine Drittel-Lösung zwischen Bund, Land und Stadt eine wäre, die den finanziellen Möglichkeiten der Partner Rechnung trage. „Ein geringerer Beitrag des Landes würde der Bedeutung des NTM in keiner Hinsicht gerecht.“ Weizel hofft, wie Grünen-Fraktionschef Dirk Grunert, dass in Sachen Landeszuschuss noch keine endgültige Entscheidung getroffen ist. Als bekannt wurde, dass der Bund 80 Millionen gibt, sei die Hoffnung groß gewesen, dass auch das Land soviel zahlt, verdeutlicht Grunert. Ralf Eisenhauer, Fraktionsvorsitzender der SPD, hat für die morgige Sitzung des Gemeinderats (öffentlich, 16 Uhr im Stadthaus) eine Resolution angeregt – mit der klaren Forderung an das Land, die Gesamtkosten zu dritteln.

„Wenn die Stadt dem Bund 80 Millionen wert ist, dann muss sie auch dem Land so viel wert sein“, sagt Ulla Hofmann, stellvertretende Vorsitzende der Freunde und Förderer des Nationaltheaters. Mannheim sei für das Land „immer das Schmuddelkind im Norden“. Auch wenn sich Kretschmann Mühe gebe: „Andere Städte haben es da besser.“ Sie setzt nun auf Peter Kurz: Er habe in Berlin mit seiner Persönlichkeit die SPD-Politiker Harald Christ und Johannes Kahrs für sich gewinnen können. „Ich hoffe, das ihm so etwas auch in Stuttgart gelingt!“

Die Stadt äußert sich derzeit nicht zu dem Thema. Sie will die offiziellen Gespräche mit dem Land abwarten. Einen Termin gebe es noch nicht.

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