Nationaltheater

Nationaltheater Podiumsdiskussion „Opernwelt-Dialoge“ zu Räumen und Akustik / Künstler wollen bei Planung einbezogen werden

Sanierungsbeginn weiter unklar

Das Nationaltheater will sich weiter nicht genau festlegen, wann die bisher ab Mitte 2021 geplante Generalsanierung wirklich beginnt. Das ergab sich aus den Worten des Geschäftsführenden Intendanten Marc Stefan Sickel zur Begrüßung bei der Diskussionsveranstaltung „Welche Räume braucht das Theater?“ in der Reihe „Opernwelt-Dialoge“.

„Wir arbeiten sehr intensiv an der Vorbereitung der Generalsanierung, die spätestens 2022 beginnen muss“, erklärte er, „da dann die Betriebsgenehmigung erlischt“. Der „MM“ hatte berichtet, dass sehr viel für eine Verschiebung von 2021 auf 2022 spricht. Als Grund für die Arbeiten nannte Sickel erneut „Brand- und Arbeitsschutz“ sowie die „weitgehend marode“ Haustechnik. Danach werde das Nationaltheater jedoch „die nächsten 50 Jahre zukunftsfest sein“, versprach er.

Aber geht das? Sind die „Riesenräume“ der heutigen Theater zeitgemäß und zukunftsfähig oder zu groß, zu wenig auf moderne Medien ausgerichtet? Diese Eingangsfrage stellte Albrecht Thiemann, Chefredakteur der Zeitschrift „Opernwelt“. Beantwortet wurde sie aber nur aus Sicht von Künstlern und anderen Akteuren des Theaters – Bedürfnisse des Publikums spielten bei den Themen der Diskussion keine Rolle.

„Positiver Schock“

Thiemann ging es eher um Akustik oder die Eignung der Säle für ungewöhnliche Inszenierungen. Dabei lobte Regisseurin und Bühnenbildnerin Anna Viebrock allerdings das Mannheimer Haus, seine große Offenheit ausstrahlende Architektur.

Komponist und Dramaturg Jan Dvorak rühmte gar das Nationaltheater und seinen sehr demokratischen Zuschauerraum, von dem jeder gleich gut hört und sieht, als – für die 1950er Jahre – „gebaute Utopie“ und „unheimliche Inspirationsquelle“. Aber bedeute es nicht doch eine, so fragte Thiemann, „verpasste Chance“, die Generalsanierung nicht für eine Änderung, etwa der Bühnengröße, zu nutzen?

„Die Chance ist nicht gegeben“, widersprach Albrecht Puhlmann, der Opernintendant: „Es ist ein denkmalgeschützter Raum, wir können ihn nicht verändern“, betonte er. Allerdings sah er wie auch Dirigent Peter Rundel wegen der guten Sichtbedingungen und Akustik in Mannheim dafür auch gar keinen Grund. Das bekräftigte der Akustiker Karlheinz Müller. Er berichtete, er habe in Mannheim einen „positiven Schock“ erlebt. Er hätte nie gedacht, dass in den 1950er Jahren schon eine so gute Akustik gebaut werden konnte: „So ein Konzept würde ich mir heute öfter wünschen!“

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass vor Sanierungsarbeiten die Nutzer – sprich die Künstler – einbezogen werden sollten. Und Thiemann wünschte den Mannheimern, dass die kalkulierten 240 Millionen Euro ausreichen. „Bei der Oper Unter den Linden ist man bei 400 Millionen, in Köln bei 600 Millionen Euro gelandet“, sagte er.

Info: Dossier unter morgenweb.de/ntm-zukunft

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