Nationaltheater

Musiktheater „Don Pasquale“ in geänderter Besetzung im NTM

Spielfreude überwiegt

Da sage noch jemand, Musikkritik habe keine messbare Wirkung. Von wegen! In seiner Premierenkritik von Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ stellte Stefan Dettlinger am vergangenen Montag etwas enttäuscht fest, dass „gefühlt 200 Plätze der 1200 frei geblieben“ seien. Jetzt, eine Woche später, geht es um die B-Premiere derselben Oper, und so viel lässt sich zweifelsfrei feststellen: das Haus war  voll, wie man das bei der Neuproduktion eines beliebten Opernhits auch füglich erwarten darf.

Ersetzt waren sämtliche Solisten, die Ensembles (Chor, Orchester) und der Dirigent, Mannheims neuer erster Kapellmeister Jānis Liepiņš, hatten ihre Kompetenz und Donizetti-Tauglichkeit bereits in der A-Premiere unter Beweis gestellt. Wieder erwies sich der tadellose Chor als besonders spielfreudig, das Orchester blieb weder  Spielwitz noch Präzision schuldig. Patrick Zielke ist in jeder Beziehung das Bild eines Charakterbasses, mit kerniger, metallischer Stimme und erkennbar voller Spiel-Laune; Malatesta, Pasquales Freund und gleichzeitig der Vertraute von Ernesto, war bei Ilya Lapich in seriösen baritonalen Händen, wenngleich seine stimmliche Präsenz nicht an die Patrick Zielkes heran reichte, was in den Duetten der beiden besonders spürbar wurde.

Der dritte Bewohner des Drei-Männer-Haushalts ist Joshua Whitener als Pasquales Neffe Ernesto; als Liebhaber der schönen Norina ist er natürlich Tenor, und er machte seine Sache richtig gut, mit lyrischem Schmelz und einer zumeist mühelosen Höhe. Nikola Hillebrand ist die einzige weibliche Solistin – und was für eine! Ihr silbriger Sopran verband sich aufs schönste mit einer ausgefuchsten Technik, sie fand die ideale Balance zwischen sängerischer Virtuosität und ans Herz greifendem Sentiment. Stimmlich solide war auch der Notar Hee-Sung Yoons. Die darstellerische Ausdruckskraft sämtlicher Akteure fügte sich ausgezeichnet in Cordula Däupers quirliges, oft auch absichtlich überdrehtes Regie-Konzept voller intelligenter Einfälle und Selbstbezüge: So wird Don Pasquales Traum von zahlreichen spielenden Kindern aus der geplanten Ehe mit Norina von der Realität eingeholt. Am Ende springen tatsächlich Kinder um Norina herum. Nur sind es nicht die die Kinder Don Pasquales, sondern die seines Neffen Ernesto.

Zum Thema