Neckarau

Süd/Lindenhof Schlangen vor Apotheken, Bäckereien und Supermärkten in der Meerfeldstraße

„Alles schön langsam“

Cafés und Restaurants sind auch im Lindenhof geschlossen. Größere Menschenansammlungen sind verboten. Und die Bürger halten sich größtenteils daran. Geduldig warten sie in einer Schlange vor der Stephanien-Apotheke in der Meerfeldstraße auf den Einlass – im gebührenden Abstand von mindestens 1,50 Metern. „Friede, Freude Eierkuchen – die Apotheke wird zum Therapieraum“, erklärt Michael Berkert. Die Menschen suchten das Gespräch – vor allem Frauen, meint der frühere Angestellte bei der Stadt Mannheim noch. „Und alles langsam, schön langsam“, sagt er mit Blick auf die sichtbare Entschleunigung in der sonst so belebten Haupteinkaufsstraße im Lindenhof.

Karin Schulze kommt gerade von der Physiotherapie. „Die arbeitet ganz normal“, berichtet sie. Dass der Gesundheitsdienst, der lebensnotwendig ist, weitermacht, findet sie „toll“. Dean Deanic ist Betreuer beim Pflegedienst Avendi. „Die alten Leute sind schon sehr traurig, dass sie zu Hause bleiben müssen“, erzählt er. Die Betreuer selbst seien sehr vorsichtig. „Wenn wir ambulant raus müssen, schützen wir uns mit Maske und Desinfektionsmitteln“, berichtet er.

Verantwortung für Mitarbeiter

Auch vor Hecker‘s Fischkontor warten die Kunden geduldig auf Einlass. „Wenn alle anderen Pizzerias und Restaurants zu sind, kommen sie verstärkt zu uns zum Mittagstisch“, sagt Inhaber Robert Hecker. Er hat alle Kunden per Email angeschrieben. Sie müssen nur kurz vor seinem Geschäft anstehen. „Alles ist sehr hygienisch und desinfiziert“, betont Hecker. Trotzdem müsse er seine Leute schützen und entscheide deshalb von Tag zu Tag. „Wenn die Zahlen weiter ansteigen, muss ich ganz zumachen aus Sicherheits- und Fürsorgegründen gegenüber meinen Mitarbeitern, denen gegenüber ich mich in Verantwortung sehe“, betont Hecker.

Einzeln betreten die Kunden Siegfried Laukenmanns Papeterie – Schreibwarenladen mit DHL-Annahmestelle. Gleich neben der Theke hat der Ladeninhaber Desinfektionsspray stehen. Er selbst ist gegen Grippe geimpft. Doch absolut vor den Leuten schützen könne er sich nicht. „Wichtig ist Abstand halten“, betont er. „Doch nicht alle Menschen sind in dieser Zeit nett“, sagt Kunde Axel Groß. Er habe vorher im Supermarkt Mehl kaufen wollen, doch die Regale seien leer und auch die Tiefkühltruhen. Noch nicht einmal Würfelzucker gebe es mehr.

Ganz andere Sorgen hat Diplomkaufmann Dieter Meißl. In Kürze wird bei dem Solo-Selbstständigen eine Steuernachzahlung fällig. „Und die Steuern wird der Staat uns bestimmt nicht schenken“, glaubt er. Um seine sozialen Kontakte zu beschränken, konzentriert er seine Einkäufe, so dass er nur einmal und nicht fünf-, sechsmal raus muss.

Nicht alle Menschen sind so vernünftig. Immer wieder muss Hayat Schmitz vom Fruchtkörbel vor allem ältere Kunden ermahnen, Abstand zu halten. Sie versucht derweil, sich soweit es geht, fernzuhalten. „Aber manche verstehen das nicht, man muss aufpassen“, sagt sie.

Anruf genügt

Auch „Der Kaffeeladen – Die Schokoladenwerkstatt“ – das Fachgeschäft für frisch gerösteten Kaffee, edle Schokoladen, Spirituosen, Whisky, Gin sowie Essige und Öle ist geöffnet. „Wir dürfen Gottseidank offenbleiben, wegen der Lebensmittel“, sagt Inhaber Wolfgang Zumkeller. Aber ob er und sein Geschäftspartner, Andreas Lehmann, überhaupt die Kosten decken können, sei die Frage. Der Umsatz ist um 80 Prozent zurückgegangen. Doch ihre zwei Mitarbeiter wollten sie halten. Sie seien unverzichtbar. Zum Glück hätten er und sein Partner in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. „Doch andere kleine Geschäfte können hinterher richtig Probleme kriegen, je nachdem wie lange die einschränkenden Maßnahmen anhalten“, befürchtet der zweite Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins.

Zumkeller „kann die Menschen nicht verstehen, die sich unvernünftig verhalten, wie beispielsweise ältere Leute, die sich auf der Straße in Gruppen treffen“. Er hat den Senioren angeboten, ihnen die Lebensmittel zu liefern. Er besorgt für Kunden auch andere Dinge im gegenüberliegenden Supermarkt, bietet Zumkeller Hilfe an. Anruf unter Telefon 0621/43 71 79 60 genügt. ost

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