Neckarau

Neckarau Gut besuchter Museumstag mit Führungen in die Remise und in zwei Gotteshäuser

Auf den Spuren der Vergangenheit wandeln

Am bundesweiten Tag des Denkmals hatte der Verein Geschichte Alt Neckarau zum zweiten Mal in Folge zum Museumstag eingeladen. Und der Zuspruch war „überwältigend“. Mehr als 100 Besucher konnte Vorsitzender Wolfgang Reinhard gleich zu Beginn in der Remise des historischen Rathauses begrüßen. Reinhard führte eine Gruppe hinter die Kulissen des Heimatmuseums im Alten Rathaus.

Dort bestaunten die Besucher den historischen Kolonialwarenladen, eine Schuhmacherwerkstatt und einen Frisiersalon. In der ehemaligen Wohnung des letzten Bade- und Wiegemeisters in der Remise, mit Küche, Wohnraum und Schlafzimmer, erläuterte Reinhard den Besuchern die Lebensumstände der Menschen in den vergangenen 100 Jahren und die in dieser Zeit gebräuchlichen Utensilien.

Da wurden bei Margot Treffs und Werner Koch „Kindheitserinnerungen wach“. Beim historischen Rundgang durch Neckarau zeigte Willi Fleck den interessierten Teilnehmern anhand einer Tafel im 1888 errichteten Cornelienhof, dass Neckarau näher am Rhein liegt als am Neckar. Dieser mündete zur Zeit der Karolinger noch hier in den Rhein. Der Ort Neckarau befand sich auf einer Insel innerhalb des Mündungsdeltas und war regelmäßig von Hochwassern überschwemmt, so Fleck. Um das Jahr 1278 veränderte der Neckar seinen Lauf und mündet seitdem nördlich der Stadt in den Rhein. In der Folge wurde das benachbarte Dorf Hermsheim aufgelassen und die Einwohner zogen nach Neckarau.

Leuchtend bunte Kirchenfenster

Schon die Römer hinterließen ihre Spuren in diesem strategisch und militärisch wichtigen Fluss-Mündungsbereich. Im Jahr 368 befand sich der Burgus des Kastells Alta Ripa (Altrip) auf der heutigen Neckarauer Gemarkung. Im 6. Jahrhundert siedelten die Franken in Hermsheim und in Neckarau. Es wurde ein Königshof errichtet, der auf Weisung Kaiser Karls des Großen dem Kloster Altrip seine Abgaben entrichtete. Die erste urkundliche Erwähnung Neckaraus erfolgte 871. In den folgenden Jahren ging Neckarau zeitweilig an das Hochstift Worms, zeitweilig an die Pfalzgrafen bei Rhein, wurde aber auch mehrfach an andere Herrschaften verpfändet. Im 15. Jahrhundert gehörte Neckarau zur Kurpfalz und musste bäuerliche Abgaben entrichten. „Unser Verein erinnert mit einem historischen „Gänßzinnß-Mahl“ einmal im Jahr an diese Zeit“, erklärte Fleck.

Im 30-jährigen Krieg wurde Neckarau mehrfach von kaiserlichen und schwedischen Truppen erobert, ausgeplündert und verbrannt. Das große Gemälde im Rathaus-Wappensaal „Kampf auf der Neckarauer Gießenbrücke“ zeigt die Vertreibung der Franzosen aus Neckarau durch die Österreicher am 18. September 1799. Der Franzosenweg erinnert an das französische Gefangenenlager in der Nähe des Strandbades. „Unser Verein erinnert jährlich mit einer „Franzosen-Suppe“ beim „Rosenmontag-Schmaus“ an diese Zeiten“, erzählte Fleck. Die Gießenbrücke wurde 1853 durch einen Damm ersetzt. Das Standbild des Heiligen Nepomuk, das von der Brücke gestürzt wurde, hat der Heimatverein 2010 bis 2014 rekonstruieren und am Ortseingang zu Neckarau aufstellen lassen. Das Neckarauer Rathaus wurde am 19. Oktober 1889 eingeweiht. Doch bereits am 1. Januar 1899 wurde die Eingemeindung Neckaraus nach Mannheim vollzogen.

„Wir gedenken dieses Ereignisses regelmäßig im Rahmen des Stadtteilfestes durch eine Darstellung der „Neckarauer-Stadt-Hochzeit“ mit dem Dorf Neckarau als Braut und der Stadt Mannheim als Bräutigam“, berichtete Fleck. Stadtbildprägend sind die beiden Kirchengebäude, die katholische St. Jakobus Kirche, deren 100-jähriges Bestehen 2007 gefeiert wurde, und die evangelische Matthäuskirche, die älteste Kirche von Neckarau.

Als besonderes Schmankerl zog Kantor Wolfgang Schubardt bei einer Führung alle Register der 25 Jahre alten Göckel-Orgel in St. Jakobus. „Hier oben auf der Empore war ich noch nie“, so Christa Hester über die neue Erfahrung. In der Matthäuskirche bewunderten die Besucher die Leuchtkraft der Fenster. Da aus Sicherheitsgründen nur jeweils vier Personen mit Pfarrer Tobias Hanel den Kirchturm besteigen durften, kamen nur wenige in den Genuss.