Neckarau

Neckarau Vortrag von Agenda 21 zum Thema „Grün statt Grau“ im Bach-Gymnasium – noch vor den Corona-Einschränkungen

Blühende Vorgärten statt Kies und Beton

Zahlreiche Gärten der Quadratestadt zieren nicht saftig-grüne Wiesen, sondern sie weisen Schotter oder Beton auf. Was der Vorgarten mit dem Stadtklima zu tun hat und wie man mit wenig Aufwand eine herrliche Grünoase bekommt, haben Besucher der Veranstaltung der Agenda 21 Neckarau vor den Corona-Einschränkungen erfahren. Dabei zeigten die Gastgeber in der Mensa des Bachgymnasiums auch den Film „Heißes Pflaster Stadt – warum wir mehr Pflanzen brauchen“.

Die Angst vor dem Corona-Virus sorgt auch an diesem Abend dafür, dass der Saal nicht so voll wird, wie es sich die Organisatoren erhofft haben. Ein knappes Dutzend Zuhörer lässt sich jedoch nicht beirren und folgt der Einladung. „Es ist etwas Einmaliges“, sagt Gisela Korn-Pernikas, Vorstandsmitglied von Agenda 21 und federführend an der Organisation der Veranstaltung beteiligt. Die Initiative kümmert sich um Umweltthemen und soziale Fragen. Das Thema Vorgärten, die immer häufig grau statt grün sind, liegt ihr am Herzen. „Wir haben uns schon lange mit dem Thema beschäftigt“, sagt sie. Das seien im Einzelnen zwar kleine Flächen, doch auf die ganze Stadt gesehen Fußballfelder, so Korn-Pernikas. Mancher Bürger entscheide sich für Schotter in der Hoffnung, damit weniger Arbeit im Garten zu haben – viele denken sich nichts dabei, räumt Korn-Pernikas ein. Dabei habe der natürliche Bodenbelag einen positiven Effekt auf den Klimawandel: Wiesen weisen einen Wärmeunterschied von bis zu 20 Grad auf. „Schotter ist ein Wärmespeicher“, sagt sie. Die Artenvielfalt leidet darunter. „Es ist ganz schlecht für die Umwelt.“

Bürger sensibilisieren

Mit der Veranstaltung hofft sie, die Bürger für das Thema zu sensibilisieren, damit diese ihre Schottergärten zurückbauen. Während diese Entscheidung in Mannheim noch freiwillig ist, seien Schottergärten in manchen Kommunen sogar verboten. Außerdem wolle man die Stadt in die Verantwortung nehmen, als Vorbild zu fungieren. Etwa indem auf öffentlichen Plätzen und Geländen mehr Begrünung stattfindet. Marianne Crevon, Prokuristin bei der Klimaschutzagentur Mannheim, erklärt in ihrem Vortrag: „Der Klimawandel ist bereits in Mannheim angekommen.“ So gebe es längere Trockenperioden, eine stärkere Hitze und mehr Extremwetter. Gleichzeitig informiert sie die Zuhörer, dass, je nach Begrünung, einzelne Stadtteile kühler als andere sind. „Grünflächen absorbieren Wärme.“ Um Schotterflächen zurückzubauen gebe es Förderprogramme und damit finanzielle Zuschüsse, erklärt Crevon.

Der Frage „Gibt es pflegeleichte grüne Vorgärten?“ geht Gabriele Baier, Vorsitzende des BUND Mannheim auf den Grund. Die Referentin erläutert, wie man mit den richtigen Pflanzen nicht nur einen für Menschen optisch ansprechenden Garten kreiert, sondern auch für Vögel und Insekten einen Lebensraum bietet. Sie rät zu heimischen Pflanzenstauden wie Doldenblütler, Disteln oder Ziest. Da die Saat in der Erde einen Samenpool erzeugt, wanderten und wechselten sie ihre Plätze, so dass ein Garten jedes Jahr anders aussehe, sagt Baier.

Hübsch anzusehen sei etwa knallroter Storchschnabel, der Bienen und Hummeln anzieht. Auch der lilafarbene Heilziest komme bei den nützlichen Insekten gut an, etwa bei Rollbienen: „Königskerzen sind auch sehr attraktiv.“ Gleichzeitig dienen die Pollen Vögeln und Insekten als Nahrung. Labkraut nutzen den Raupen der Taubenschwänzchen als Geburtsstätte.

Weniger ist oft mehr

Die Referentin gibt auch Tipps, etwa zur Behandlung von Lehmböden. „Sandböden sind einfacher“, sagt sie. Wiesen müsse man etwa zweimal im Jahr mähen. Um Tieren einen Lebensraum zu bieten, rät Baier generell zu einem entspannten Umgang mit Gartenarbeit im Herbst. „Weniger ist mehr.“