Neckarau

Neckarau Geschichtsverein weiht Tafeln mit römischen Darstellungen ein / Archäologe Klaus Wirth bestätigt große Bedeutung

„Die hiesigen Funde sind einmalig im Mannheimer Raum“

Archivartikel

Der Verein Geschichte Alt-Neckarau ist bei der Aufarbeitung und Darstellung der Vergangenheit des Vorortes erneut einen kräftigen Schritt vorangekommen: Gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Kurz weihten die Ortshistoriker jetzt auf dem Gelände ihres Heimatmuseums eine Informationstafel mit Darstellungen aus der Römerzeit ein.

Bei den Exponaten handelt es sich um Repliken von Fundstücken, geborgen auf Neckarauer Gemarkung. Glanzstücke sind die Darstellungen des Gottes Vulkan mit Schmiedezange und der Göttin Fortuna mit Füllhorn. Die Originale, die auf dem Maimarkt-Gelände gefunden wurden, das ja einst Neckarauer Gemarkung war, befinden sich in den Reiss-Engelhorn-Museen.

Dank an viele Helfer

Die Reliefs sind – samt einer Informationstafel – von der Rathausstraße aus zu sehen. „Um sie anzubringen, waren regelrechte Bauarbeiten nötig – mit Prüfung der Statik und Gießen eines Fundamentes“, berichtet Wolfgang Reinhard, der Vorsitzende des Vereins. Sein Dank geht denn auch an die vielen Helfer; stellvertretend für alle sei hier Projektleiter Gerhard Hester genannt.

In seiner Rede verweist Reinhard auf die reiche römische Vergangenheit Neckaraus. Höhepunkt war der Bau eines Kastellkomplexes, des legendären Burgus, um das Jahr 369 nach Christus, der die Rheingrenze gen Osten sichern sollte. Um die Bauarbeiten selbst zu überwachen, war sogar Kaiser Valentinian vor Ort: „Wir könnten also eigentlich den 1650. Geburtstag Neckaraus feiern.“

„Ich gratuliere zu einem weiteren bedeutenden Projekt“, lobte Oberbürgermeister Peter Kurz das jüngste Ergebnis der Aufarbeitung der Ortsgeschichte, die der Verein seit seiner Gründung 1983 verfolgt: „Diese Arbeit stärkt Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl der Neckarauer.“ Schmunzelnd fügt das Stadtoberhaupt hinzu: „Dabei wird Neckarau übrigens immer älter. Jetzt sind wir schon bei 1650 Jahren.“

Wichtig ist Kurz auch folgende Erkenntnis: „Wir haben mehr von den Römern geerbt als von den Germanen“, verweist er auf deren „zentrale zivilisatorische Errungenschaften“ wie Rechtssystem, Philosophie und Schrift. Dies sei auch ein wichtiger Punkt für die aktuelle Diskussion um Identität: „Sie ist also oftmals weit vielschichtiger, als manche denken.“

Herausragende Funde

„Die hiesigen Funde aus der Römerzeit auf Neckarauer Gemarkung sind einmalig im Mannheimer Raum“, bestätigt Klaus Wirth, Archäologe der Reiss-Engelhorn-Museen: „Neckarau hat hier in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal.“ In einem ausgesprochen launigen Vortrag – „Keine Sorge, ich habe groß geschrieben“ sagt er über sein Redemanuskript – berichtet der Fachmann von Funden, die diese Einschätzung stützen.

Wirth nennt Gegenstände aus dem zweiten und dritten Jahrhundert, die 1928 in der Germania-/Ecke Zypressenstraße geborgen wurden. In der Friedrichstraße 40 wurde Anfang der 1970er Jahre eine Kupfermünze gefunden, die im Zeitraum zwischen 367 und 375 geprägt wurde. Das passt: Denn für das Jahr 369 ist ja der Bau des Burgus überliefert.

Herzstück dieser dreiteiligen Anlage war auf heutiger Altriper Seite des Rheins eine 5000 Quadratmeter große Kaserne mit 40 Räumen und einem tiefen Graben. Auf Neckarauer Seite bestand der „Ländeburgus“, 21 mal 17 Meter groß und mit drei Meter dicken Mauern: „Das war schon ein richtiger Klotz“, so Wirth.

Schon früh, berichtet der Experte, sei es zu einer Annäherung der Kulturen gekommen: „Von den Römern im Burgus hat keiner mehr Latein gesprochen“, berichtet er: „Vor dem Hintergrund der neueren Forschung müssen wir uns von vielen Gewissheiten verabschieden, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen.“

Im Jahre 407 wurde der Burgus aufgelassen, die wunderbaren Sandstein-Quader von der örtlichen Bevölkerung als Steinbruch für den Bau ihrer Gebäude verwendet.

Musikalisch umrahmt wird der Festakt von der „Sängerhalle Germania“ unter Leitung von Volker Schneider mit dem Mantra „Sa-Ra-Ba–Wa-Ba-Wa“ und einer „Neckarau-Hymne“. So kommen hier also doch nicht nur Römer zu ihrem Recht, sondern auch „Germanen“.

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/neckarau