Neckarau

Neckarau Freizeitschule zeigt Vernissage von Kursen aus drei Semestern / Hobbykünstler im Alter von 45 bis 80 Jahren

Ehemalige mit Leidenschaft für Kunst

Archivartikel

Die Mehrzahl der Hobbykünstler ist der Freizeitschule schon seit Jahren, teils seit über zwei Jahrzehnten, treu. Einmal in der Woche treffen sie sich zu zehnt, um sich ihrer kreativen Leidenschaft für Farbe und Pinsel zu widmen.

Am Festwochenende zum hundertjährigen Bestehen der Waldorfpädagogik stellten nun 27 Künstler aus drei Malkursen von Heike Wiggers bei der Vernissage in der Freizeitschule Ergebnisse ihres Schaffens vor. Die 24 Malerinnen und drei Maler zwischen 45 und 80 Jahren arbeiteten bei den drei Themen der vergangenen drei Semester vorwiegend mit Acryl, zum Teil mit Aquarell oder mit Tusche und Kreide. Im Mittelpunkt standen das menschliche Antlitz, Zimmeransichten und als abstraktes Thema das Farb-Erleben

Voneinander lernen

Elke Schäfer vom Kollegium der Freizeitschule begrüßte die rund 70 Gäste in der Teestube und hob die Bedeutung der 1975 gegründeten Freizeitschule mit ihren zwei Standbeinen hervor: ein Kursprogramm für Groß und Klein sowie eine Kindertagesstätte. An diesem Ort der Begegnung lerne man untereinander und voneinander.

Heike Wiggers, selbst schon mehr als 20 Jahre Kursleiterin, bestätigte das harmonische Miteinander und die gegenseitige Inspiration. Sie ergänzte: „Die wöchentlichen Termine bilden für die Teilnehmer einen Fixpunkt im Leben.“ Ermutigung durch die Mitstreiter, wenn man sich mal nicht traue, schilderte auch Kursteilnehmerin Moni Ohl-Albert.

Die Porträts und die weiteren Werke sind realistisch, aber auch impressionistisch, mit expressionistischer Anmutung, detailgetreu oder mit schnellem Pinselstrich dahin geworfen. Die Abgebildeten lächeln freundlich, lachen, schauen distanziert kritisch oder sind auf sich selbst konzentriert. Unterschiedlich sind auch die Zimmeransichten und abstrakten Bilder des Farb-Erlebens. Jeder Maler wählte sein Exponat selbstverantwortlich aus den drei Themenbereichen aus.

Elli Benkart, 82 Jahre, kommt seit 29 Jahren zur Freizeitschule, früher in der Verwaltung tätig, nun als Kursteilnehmerin. Sie entschloss sich dafür, ihr Zimmerbild auszustellen. „Nach der ersten üblichen Verwirrung bei der Themenbekanntgabe – Was mal ich bloß? – stellte ich Essig-, Öl- und andere Flaschen aus der Küche zusammen, machte ein Foto und malte danach“, erzählte sie. So empfand sie ihr Motiv bunt und plakativ mit dickem Farbauftrag nach.

Zügig ging Bernadette Bros-Spähn bei ihrem Bild „Grootmoeder“ zu Werk. Mit wenigen Pinselstrichen gelang es ihr hier, eine mürrisch dreinblickende alte Frau eindrucksvoll zu charakterisieren. „Ich male nix Schönes, sondern das, was dem Menschen entspricht und so wie es aus mir herauskommt“, erzählte die Malerin mit holländischen Wurzeln.

Dorothea Fabian widmete sich bei ihrem Genrebild „Großmutter und Enkel“ der vorangegangenen Generation. Sonst fotorealistisch unterwegs, meinte sie: „Dieses Bild ist ganz schnell entstanden, das geht bei mir nicht immer so.“ Mit breitem Pinsel hat sie anhand eines Fotos ihre vorlesende Großmutter mit ihrem kleinen Bruder malend skizziert – eine typische Szene ihrer Jugend.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Chor à Blu aus der Blumenau unter Leitung von Martin Reiter. Das moderne Repertoire des Chores erstreckt sich von Gospel über Pop, Rock und Swing bis hin zu Filmmusik. Ein Imbiss sorgte für die Stärkung der Besucher. Die Ausstellung in der Teestube und im Treppenhaus ist bis zum 15. Juli zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.