Neckarau

Neckarau Theologin Martina Egenlauf-Linner ist neue Pfarrerin der evangelischen Markus-Gemeinde im Almenhof

„Eine Gemeinde gestalten, die in die Zeit passt“

Archivartikel

Schon in der Bibel steht geschrieben, dass sich jeder Mensch eine Auszeit vom hektischen Alltag gönnen darf. Etwa im fünften Buch Mose. Ein solches beruflich freistellendes Sabbat-Jahr hat sich in den zurückliegenden zwölf Monaten Theologin Martina Egenlauf-Linner genommen. Seit 1. September ist sie die neue Pfarrerin der evangelischen Markuskirche im Bezirk Almenhof und folgt somit auf den vor zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedeten Pfarrer Hans Ehrlich. Während dieses Sabbat-Jahres war Egenlauf-Linner, die gerne Autobiografien mehrdimensionaler Persönlichkeiten liest, viel auf Reisen, zum Beispiel in Kambodscha, Vietnam, Brasilien und zuletzt acht Wochen in Indien.

Beziehung zu Indien

„Ich hatte gestern meinen ersten Gottesdienst, ich bin freundlich vom Ältestenkreis begrüßt worden“, erzählt Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner, die eine besondere Beziehung zum Land Indien pflegt. In den Jahren 1992 und 1993 lebte die Seelsorgerin in der dortigen Großstadt Trivandrum, die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Kerala, die damals 300 000 Einwohner zählte. Mittlerweile leben in dieser Metropole annähernd eine Million Menschen. „Indien wächst stark, damals war das ein großes Dorf, heute stehen da viele Hochhäuser“, erzählt Pfarrerin Egenlauf-Linner: „Von der Infrastruktur her ist diese abgelegene Großstadt nicht sehr erschlossen.“ Im Juni 2011 war die Stadt Trivandrum prominent in den Medien gewesen wegen des sensationellen Fundes eines Schatzes mit Diamanten, Rubinen und Goldmünzen im hinduistischen Padmanabhaswamy-Tempel.

Gegenwärtig muss der Staat Kerala mit einer Hochwasserkatastrophe kämpfen. „Die Folgen sind verheerend für die Menschen. Viele sind durch das Hochwasser obdachlos geworden“, bedauert Theologin Martina Egenlauf-Linner, die in Kontakt steht mit einer indischen Freundin, die Geschäftsführerin der unabhängigen Hilfsorganisation „Ability Aids India International (AAII)“ ist.

In diesem Landstrich sei zudem das Hilfswerk „Brot für die Welt“ aktiv. „Die Regierung bietet keine soziale Unterstützung, wie wir das kennen“, so die Geistliche: „Ich habe erlebt, wie dort das Geld ausgegeben wird. Ich habe ganz positive Erfahrungen gemacht.“

Vor 26 Jahren habe sie dort eine Frau kennengelernt, die sich mit einer Schneiderei selbstständig machte und für die Anschaffung mehrerer Nähmaschinen von „Brot für die Welt“ finanzielle Fördermittel bewilligt bekam. In ihrer Schneiderei beschäftigt diese Unternehmerin mittellose Frauen, die vor ihren Ehemännern flüchten mussten oder verlassen wurden.

Gottesdienst mit Dekan Hartmann

„Im letzten Juni war ich in Trivandrum, um ein Sommercamp für 15 Jugendliche zu besuchen und mit ihnen über das Thema ‚Vorreiter’ zu diskutieren“, berichtet die Seelsorgerin. In angemieteten Räumlichkeiten der Universität habe dieses Seminar stattgefunden: „Dort an den Wänden hängen Porträtbilder von Mahatma Gandhi, Angela Merkel und Albert Einstein.“ In ihrer Freizeit liest die Mutter eines Sohnes und einer Tochter, die beide erwachsen sind, Kriminalromane der Schriftstellerinnen Nele Neuhaus und Karin Slaughter.

Welche Aufgaben möchte die Pfarrerin an ihrer neuen Wirkungsstätte im Almenhof erfüllen? „Ich möchte viele Menschen kennenlernen, die mit mir eine Gemeinde gestalten wollen, die in die heutige Zeit passt“, zeigt sich Martina Egenlauf-Linner voller Tatendrang.

Am ersten Advent 2018 wird die Markus- mit der Lukas-Gemeinde fusionieren. „Da freue ich mich darauf, um mit Pfarrer Günther Welker den Zusammenschluss weiterzuführen.“

Am Sonntag, 16. September, findet ein Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner in der Markus-Kirche durch Dekan Ralph Hartmann statt. Beginn 17 Uhr mit anschließendem Empfang.